T-Mobile-Chef Hamid Akhavan
Der rastlose Sunnyboy der Telekom

Die Geduld von T-Mobile-Chef Hamid Akhavan hat sich ausgezahlt: Er darf das iPhone von Apple weiterhin exklusiv in Deutschland vertreiben. Das iPhone ist für Akhavan nicht nur ein Spielzeug, sondern ein Schlüssel für den Markterfolg.

BONN. Das iPhone ist ihm ans Herz gewachsen. Gerne spielt T-Mobile-Chef Hamid Akhavan mit dem Multimedia-Handy des amerikanischen Computerherstellers Apple. Seine Finger springen dann flink über den schwarzen Touchscreen mit den farbigen Symbolen. Aber das Gerät ist für ihn mehr als nur Spielzeug. Mit ihm will er der Mobilfunksparte der Deutschen Telekom wieder zu neuem Glanz verhelfen.

Am Dienstag war deshalb ein guter Tag für Akhavan und die T-Mobile. Das Hamburger Landgericht entschied zugunsten des Magenta-Konzerns. Das iPhone darf in Deutschland wieder nur noch mit einem Zwei-Jahres-Vertrag von T-Mobile verkauft werden. Die Richter hoben damit eine einstweilige Verfügung auf, die T-Mobile den exklusiven Vertrieb des Kult-Handys verboten hatte. Nun kann also Akhavan wieder das iPhone mit einem Zwei-Jahres-Vertrag und einer eingebauten Sperre – SIM–Lock genannt – verkaufen.

„Wir sind froh über diesen Ausgang“, sagte ein Sprecher von T-Mobile gestern. Doch das ist eine Untertreibung. Der Magenta-Konzern und mit ihm Akhavan jubeln über den Sieg über den Konkurrenten Vodafone, der ihm einen Strich durch die Rechnung machen wollte.

Der in Teheran, der Hauptstadt des Irans, geborene Manager hat am Erfolg vor Gericht nie gezweifelt. Der 46-jährige Sunnyboy verliert selbst in schwierigen Momenten nicht die Zuversicht. Da ist der Iraner mit US-Pass wieder ganz Amerikaner.

In den USA hat Akhavan fast sein ganzes Arbeitsleben verbracht. Seine Karriere begann er 1987 nach einem Studium der Elektrotechnik und Informatik bei der Raumfahrtorganisation Nasa in Pasadena, einer gemütlichen Uni-Stadt nördlich von Los Angeles. Zwei Jahre später heuerte er in der Telekomindustrie an. Er wechselte zum Telefonkonzern Bell in Red Bank im US-Bundesstaat New Jersey und später nach Washington D. C. Zuletzt arbeitete er in den USA als Vorstand für den Telekomkonzern Teligent in Vienna in Virginia.

Bei der Telekom ist Akhavan bereits seit September 2001. Bei T-Mobile war er zu Beginn Technologie-Chef für Europa. Bereits ein Jahr später stieg er in den Vorstand von T-Mobile auf und war dort für Technologie und IT zuständig. Telekom-Chef René Obermann und Akhavan kennen sich seit dieser Zeit. Obermann war damals T-Mobile-Chef. Die Begeisterung für technische Neuentwicklungen vereint beide. Akhavan hat schon als Zehnjähriger Stereoanlagen repariert.

In Deutschland ist Akhavan aber nie richtig angekommen. Über das gesetzliche Korsett, vom Regulierer bis zur Medienanstalt, kann er noch immer verständnislos den Kopf schütteln. Auch mit der deutschen Sprache steht er auf Kriegsfuß. Der schlanke Manager redet, verhandelt und scherzt auf Englisch. Zu Hause im Bonner Vorort Bad Godesberg gehen die Kinder zur Internationalen Schule. Akhavan ist der Typ des Rastlosen. Er kommt mit „sehr wenig Schlaf aus“, wie er der „Welt“ erzählte. Die besten Idee kämen ihm zwischen zwei und drei Uhr nachts.

Die kann er gut gebrauchen. Denn der Mobilfunkmarkt ist gesättigt, die Margen für die Handy-Gespräche sinken. Das iPhone ist für Akhavan daher nicht nur ein Spielzeug, sondern ein Schlüssel für den Markterfolg. Wachstum muss dringend her. Denn die Geduld der Telekom-Aktionäre ist nach vielen Jahren des Leidens endlich. Akhavan weiß das und kämpft mit dem iPhone in der Hand.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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