T-Online-Prozess
Eine Perle zurückgekauft

In einem der größten Anspruchsverfahren der Geschichte der Bundesrepublik haben knapp 250 Antragsteller auf eine höhere Abfindung gegen die Telekom geklagt. Die Minderheitsaktionäre beschuldigen den Konzern, sie beim Umtauch von T-Online - gegen Telekom-Aktien über den Tisch gezogen zu haben.

FRANKFURT. Ich bin ziemlich nervös heute", sagt Privatanleger Norbert Böing vor einer laufenden Fernsehkamera und ringt nach Worten, "das hier war legitimer Betrug."

Im Gebäude E des Landgerichts Frankfurt will er selber mithören, wie gut die Chancen stehen, wenigstens einen Teil seines verlorenen Vermögens wiederzusehen. 40 000 T-Online-Aktien hat Böing im Jahr 2000 beim Börsengang der Internet-Tochter der Deutschen Telekom gekauft und über Jahre mit dem fallenden Kurs sein Geld dahinschmelzen sehen.

Dann, als der Tiefpunkt erreicht war, hat die Telekom ihre Tochter zurückgekauft. Zum Kurs von 8,99 pro Aktie, später zum Zwangstauschverhältnis 13 Telekom-Aktien gegen 25 T-Online-Aktien und damit zum Schnäppchenpreis, wie Anleger ihr vorwerfen. Einen hohen sechsstelligen Betrag hat Böing verloren. Jetzt will er sich wenigstens einen Teil davon zurückholen.

Böing ist nicht allein. In einem der größten Spruchverfahren der Geschichte der Bundesrepublik haben knapp 250 Antragsteller auf eine höhere Abfindung geklagt. Gut 50 Anwälte, Aktionärsschützer, Verteidiger und Zeugen drängen sich im Gerichtssaal. Dazwischen ein paar Aktionäre, an diesem Tag in der Minderzahl.

Über die Planungsprozesse in einem Telekom-Unternehmen werden sie heute viel hören, aus erster Hand. Wie sorgfältig hoch dotierte Top-Manager planen. Das Publikum wird sich wundern, wie es kommen konnte, dass sie mit ihren aufwendigen Kalkulationen trotzdem so weit daneben lagen. Und es wird ahnen, dass es sehr lange auf einen Entscheid warten muss.

Ob die Minderheitsaktionäre beim Umtausch viel zu billig abgespeist wurden, das sollen Top-Zeugen aus dem Management klären helfen. Die Fragen erschließen sich aus einem Gutachten des Telekom-Experten Torsten Gerpott, der im Auftrag der Düsseldorfer Kanzlei Dreier Riedel mehrere Punkte ins Feld geführt hat, wonach die Telekom bei dem Zwangsumtausch viel zu hoch bewertet wurde, T-Online dagegen zu niedrig.

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