Tabakindustrie
BAT leistet sich umstrittenen neuen Chefkontrolleur

Richard Burrows, ehemaliger Aufsichtsratschef der Bank of Ireland, wird Chairman beim weltweit zweitgrößten Tabakkonzern. Davon sind nicht alle begeistert. Denn sein letztes Engagement rückt ihn in ein zweifelhaftes Licht.

LONDON. Mutig ist die Entscheidung des Tabakkonzerns BAT auf jeden Fall. Als es darum ging, einen der prestigeträchtigsten Posten in der britischen Industrie zu besetzen, entschied sich BAT am Ende für Richard Burrows. Ab November soll der 63-jährige Ire als Chairman die Geschäfte des, gemessen am Börsenwert, weltweit zweitgrößten Tabakunternehmens beaufsichtigen.

Das Problem dabei: Burrows war zuletzt Aufsichtsratschef der Bank of Ireland, und im Zeitalter der Finanzkrise stehen Banker nicht besonders hoch im Kurs, wenn es um die Besetzung von verantwortungsvollen Positionen im Management geht. Das gilt umso mehr für Banker, die ihren letzten Posten aufgeben mussten, weil ihr Institut zu den Hauptleidtragenden der Verwerfungen an den Kapitalmärkten zählte.

Auf der Hauptversammlung im vergangenen Mai musste Burrows von seinem Posten als Governor der Bank Of Ireland zurücktreten und sich bei den Aktionären für die Verluste an der Börse und die gestrichene Dividende entschuldigen. "Dafür müssen die Manager an der Spitze die Verantwortung übernehmen, und deshalb werde ich meinen Posten aufgeben", hatte Burrows in seiner letzten Rede als Banker gesagt. Irlands größter Kreditgeber war nach dem Zusammenbruch des heimischen Immobilienmarkts ins Trudeln geraten. 2008 musste die Bank einen Millionenverlust verkraften. Am Ende ließ sich das schwer angeschlagene Institut nur mit einer staatlichen Kapitalspritze von 3,5 Mrd. Euro retten.

Trotz Burrows? umstrittener Vergangenheit habe die große Mehrheit der Aktionäre die Ernennung des neuen Chairmans unterstützt, betont eine BAT-Sprecherin. Einige Bedenken gibt es aber doch. "In einer Zeit, in der Manager besonders scharf unter die Lupe genommen werden, ist es fraglich, ob diese Ernennung bei allen Eigentümern auf Zustimmung stößt", heißt es bei Standard Life Investments, einem der größten zehn Aktionäre des Tabakkonzerns. Am Ende gab wohl Burrows Erfahrung bei der Steuerung großer Verbrauchermarken den Ausschlag.

Von 1971 an arbeitete er 27 Jahre lang für den irischen Spirituosenkonzern Irish Distillers, am Ende als Vorstandschef. Die Karriere des Iren ging weiter, als sein Arbeitgeber 1998 vom Konkurrenten Pernod Ricard geschluckt wurde. Bei den Franzosen brachte es Burrows bis zum stellvertretenden Vorstandschef, ein Posten, den er 2005 nach fünf Jahren aufgab. Während dieser Ära entwickelte sich Pernod Ricard vom französischen Pastis-Hersteller zu einem weltweit operierenden Getränkekonzern. Burrows war unter anderem für die Integration des britischen Konkurrenten Allied Domecq verantwortlich, den Pernod Ricard für elf Mrd. Euro geschluckt hatte.

Die internationale Erfahrung dürfte ebenfalls ein Argument für Burrows? Ernennung gewesen sein. BAT beschäftigt 56 000 Mitarbeiter in 41 Ländern und verkauft seine Produkte auf 180 Märkten.

Der Ire wird Jan du Plessis ersetzen, der als Chairman zum Bergbaukonzern Rio Tinto wechselt. Unter der Führung von du Plessis und BATVorstandschef Paul Adams hat sich der Aktienkurs des Tabakkonzerns in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, und auch die Finanzkrise scheint BAT bislang nicht allzu viel anhaben zu können. Im ersten Halbjahr 2009 stieg der Umsatz um knapp ein Viertel auf 6,8 Mrd.Pfund, und der Gewinn kletterte von 1,8 auf 2,1 Mrd. Pfund. Nicht ganz so gut sieht es bei Burrows ehemaligem Arbeitgeber aus: Die Bank of Ireland rechnet auch in diesem Jahr wieder mit milliardenschweren Abschreibungen.

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