Takafumi Horie bricht mit den Regeln der alten Japan AG und attackiert den Radiosender NBS
Der rücksichtslose Neureiche

Er ist derzeit wohl der bekannteste Unternehmer Japans – und das mit gerade einmal 32 Jahren. Ob Boulevardzeitung, Wirtschaftsmagazin oder TV-Show: Überall prangt das pausbäckige Gesicht mit dem Igel-Haarschnitt von Takafumi Horie.

TOKIO. Das hat einen guten Grund: Der Chef und Gründer der Internetfirma Livedoor hat mit dem feindlichen Übernahmeversuch des Radiosenders Nippon Broadcasting System (NBS) mehr als nur ein Tabu gebrochen. Horie ist mit der Attacke zum Stellvertreter für ein neues Japan geworden, in dem sich niemand mehr nur einen Deut um die Strukturen und Verhaltensregeln der alten Japan AG schert.

Und so diskutiert nun eine ganze Nation über den Übernahmeversuch, bei dem es um weit mehr geht als nur die Zukunft eines noch börsennotierten Radiosenders. Mit dem Griff nach einem Medienunternehmen hat sich Horie gleich an eine besonders sensible Branche gewagt. Denn NBS ist eine der Kernfirmen der Fuji-Sankei-Gruppe, zu der auch eine nationale Tageszeitung und der landesweite Fernsehsender Fuji TV gehören.

Kontroverser könnten zwei Welten nicht aufeinander prallen: dort der unkonventionelle Firmengründer, Studienabbrecher und bereits Geschiedene, der sich stets in T-Shirt und ohne Krawatte zeigt. Und in Büchern mit Titeln wie „Wie verdiene ich 100 Millionen (Yen)?“ von seinem schnellen Reichtum schwärmt. Da die alteingesessene Mediengruppe, deren Chefs doppelt so alt sind wie Horie und deren Firmen mittels Überkreuzbeteiligung kompliziert miteinander verflochten sind.

Eben diese Beteiligungen brachten die Geschichte ins Rollen. Denn der viel kleinere Radiosender NBS ist mit gut 22 Prozent Hauptaktionär des größeren Fernsehkanals – eine gefährliche Konstellation. Fuji TV wollte die Situation bereinigen und die Mehrheit an NBS übernehmen. Doch Horie war schneller und kaufte Anfang Februar ein fettes Aktienpaket von 30 Prozent an NBS im nachbörslichen Handel. Das Geld dafür kommt im Tausch gegen Wandelanleihen von Lehman Brothers, einer US-Investmentbank.

Es stimme schon, dass der Kauf eines solch riesigen Aktienpakets im nachbörslichen Handel verboten werden sollte, stimmt Horie der Kritik an seiner Aktion zu. „Aber wenn keiner handelt, werden die Dinge nicht korrigiert.“ Mit seinen jetzigen Regeln sei der japanische Aktienmarkt ein „Kaninchen unter einem Rudel von Wölfen“.

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