Takafumie Horie
Japans gefallener Internet-Star muss hinter Gitter

Im Betrugsprozess gegen den einst gefeierten japanischen Internet-Unternehmer Takafumi Horie ist der Angeklagte zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Die Richter statuierten damit ein Exempel, da in Japan Konzernmanager bei Wirtschaftsvergehen normalerweise mit Bewährungsstrafen davonkommen. Zuvor hatte sich Horie taktisch unklug verhalten.

TOKIO. Dem Urteil eines Bezirksgerichts in Tokio kommt viel Aufmerksamkeit zu, weil Horie ein Symbol für tatkräftige Internet-Unternehmer war. Der 34-Jährige hatte bei Firmenzukäufen und der Finanzierung seines Unternehmens einen bisher nicht dagewesenen aggressiven Stil gepflegt. Er hatte allerdings auch Bilanzen geschönt und bewusst Anleger getäuscht, wie die Richter nun befanden. Horie kündigte Berufung an.

Der Unternehmer stand seit vergangenem September vor Gericht, weil er zusammen mit anderen Livedoor-Managern den Jahresabschluss für 2004 so manipuliert hatte, dass er den Investoren statt eines Verlusts von 300 Mill. Yen einen Gewinn von fünf Mrd. Yen präsentieren konnte. Horie gaukelte durch gruppeninterne Wertpapierkäufe Buchgewinne in Höhe von 3,7 Mrd Yen vor und verbuchte zudem 1,6 Mrd. Yen an Einnahmen aus Scheingeschäften. Vor Gericht bestanden er und seine Anwälte jedoch darauf, dass sich die Geschäfte alle im Rahmen der Gesetze bewegt hätten.

Der vorsitzende Richter Toshiyuki Kosaka befand nun einerseits, dass eine Reihe der Praktiken sehr wohl außerhalb des Legalen stattfanden und dass zudem nicht nur der Wortlaut der Gesetze zähle, sondern auch ihr Geist. Es passe es nicht zur Idee des gesetzlichen Anlegerschutzes, Verluste in Scheinfirmen zu tarnen, um den Aktienkurs oben zu halten. Horie habe Geschäftspartnerschaften vorgetäuscht, um vorsätzlich das Gesetz zu umgehen, so der Richter.

Horie war mit Livedoor ein Star des Internetbooms. Das Unternehmen fing als Internet-Portal und Zugangsanbieter an, expandierte jedoch durch Zukäufe in alle Richtungen. Innerhalb von vier Jahren erwarb die Livedoor-Vorgängergesellschaft 50 Unternehmen, darunter eine Firma namens Livedoor, deren Namen der Konzern annahm. Horie bot mit seinem extrovertierten Auftreten und seinen amerikanisch inspirierten Geschäftspraktiken ein Gegenbild zum kuscheligen Kaptialismus der Japan AG, in der Konfrontation immer noch als unfein gilt.

Der Jungunternehmer gefiel einer verblüfften japanischen Öffentlichkeit durch immer kühnere Transaktionen – wie gegen Ende seiner Karriere einem feindlichen Übernahmeangebot für den etablierten Fernsehsender Fuji TV in Milliardenhöhe. Voraussetzung für die großen Pläne war eine ordentliche Bewertung der eigenen Aktien, die sich bei den branchenüblichen Verlusten der Jahre nach 2001 kaum hätte aufrecht erhalten können. Wohl deshalb manipulierte Horie die Zahlen. Seine Popularität reichte jedoch so weit, dass nicht nur junge Leute, sondern auch gestandene Mitglieder des Wirtschaftslebens seine Verhaftung für falsch hielten und seine Verurteilung nun bedauern.

Am 23. März entscheidet das Gericht über eine weitere Klage gegen Livedoor als Unternehmen.Gegen Horie hatten unter anderem frühere Top-Manager seines Unternehmens ausgesagt. Der Chef und seine Anwälte standen zum Schluss mit seiner Behauptung, unschuldig zu sein, alleine da.

Dass Horie sich selbst hartnäckig als unschuldig bezeichnet, galt von Anfang an als unklug in einer Gesellschaft, in der die öffentliche Entschuldigung von besonders großer Bedeutung ist. Hätte sich Horie unter Tränen vor TV-Kameras für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, die er den Investoren bereitet habe – der bekehrte Sünder hätte vor Japans Richtern mit mehr Milde rechnen dürfen, sagen Beobachter. Die institutionalisierte Formulierung dafür ist, dass Horie keine Reue zeugt und damit eine Wiederholung der Straftaten drohe.

Im Januar 2006 haben Kleinanleger in Panik ihre Aktien verkauft, nachdem sie die Nachrichten von der Verhaftung Hories gehört hatten. Viele trennten sich nicht nur von Livedoor-Papieren sondern gleich von ihrem kompletten Portfolio. Das Handelssystem der Börse Tokio kam mit den Flut von Aufträgen nicht hinterher, so dass der Handel zusammenbrach. Daraufhin fielen auch die Kurse in Europa und in den USA. Livedoor verlor einen Großteil seines Wertes von zuletzt über fünf Mrd. Euro.

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