Takefuji
Kreditpionier Takei gestorben

Der Tod eines der reichsten Japaner heizt Übernahmegerüchte um sein Unternehmen an. Er hatte ganz klein angefangen und wurde zu einem der reichsten Männer Japans. In der vergangenen Woche starb er im Alter von 76 Jahren.

TOKIO. Er hat ganz klein angefangen: In einem 13 Quadratmeter großen Raum eröffnete Yasuo Takei vor vierzig Jahren einen Geldverleih. Privatleuten, die bei den Banken kein Geld bekamen, gewährte er Kredit und kassierte dafür Zinsen von bis zu 30 Prozent. Die Konsumentenkreditgesellschaft Takefuji, die der Gemüsehändler aufbaute, zählt heute zu den Großen in der Branche mit mehr als 500 Filialen und 1 300 Geldautomaten.

Gründer Takei starb vergangene Woche im Alter von 76 Jahren. Er war einer der reichsten Männer Japans – laut Forbes mit einem Vermögen von 4,6 Milliarden Euro.

Takei war sehr umstritten. Einerseits galt er als Visionär und Stratege, andererseits als autoritärer Firmenboss, der Kritik nicht zuließ und seiner Familie Managementposten zuschanzte. Zudem gerieten Kreditanbieter wie Takefuji wegen ihrer allzu aggressiven Methoden, säumige Kunden zur Rückzahlung zu bewegen, in den 90er-Jahren stark in die Kritik. Auf Berichte eines Journalisten darüber reagierte Takei mit dem Auftrag, dessen Telefon illegal abzuhören. Dafür wurde er vor zwei Jahren zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Bereits vor dem Urteil gab Takei den Posten des Chairmans bei seinem Unternehmen auf – nicht ohne zuvor mit der Aufnahme Takefujis in die wichtigste japanische Wirtschaftsvereinigung Nippon Keidanren 2002 noch einen Triumph zu feiern.

Takefuji emanzipierte sich nur langsam von seinem einflussreichen Gründer. Hikaru Kondo, ein Nicht-Familienmitglied, ist heute Präsident, Takeis Sohn Taketeru jedoch ist die Nummer zwei im Unternehmen. Weiterhin hält die Familie Takei – laut Forbes-Liste mit 5,4 Milliarden US-Dollar die reichste Familie Japans – einen großen Teil der Anteile an Takefuji. Dieser ist aber inzwischen von 60 auf unter 25 Prozent gesunken. Mehr als die Hälfte der Takefuji-Aktien ist im Besitz ausländischer Anleger. Daher gilt das Unternehmen als Übernahmekandidat. Als Interessenten werden Banken wie HSBC und die Citibank gehandelt sowie GE Capital und Newbridge Capital.

Nach Ansicht von Analysten ist eine solche Übernahme nach dem Tod des Konzerngründers wahrscheinlicher geworden. Takefuji werde auch attraktiver, da die Verurteilung Takeis das Unternehmen nicht mehr in dem Maße belaste. Potenzielle Interessenten werden laut Branchenexperten zunächst aber die Gesetzesänderung abwarten, die den Maximalzins für die Kreditanbieter senken dürfte.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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