Teamgeist
Zum Coaching in den Kibbuz

In der rauen Natur eines israelischen Kibbuz sollen Führungskräfte lernen, als Team zu funktionieren und Konfliktsituationen im knallharten Geschäftsleben zu meistern. Das wirkt auf den ersten Blick reichlich absurd. Doch nicht nur Israelis kommen zum Teamgeist-Tuning in diese abgeschiedene Ecke Galiläas.

TEL AVIV. Friedlich und malerisch wirkt die Landschaft rund um den Kibbuz Tuval in Galiläa. Den nicht mehr ganz so juvenilen Frauen und Männern, die etwas ungelenk Strickleitern und Kletterwände emporkraxeln, läuft schon morgens um halb zehn der Schweiß in Strömen den Nacken herunter. Kein Wunder: Normalerweise sitzen sie in gut klimatisierten Büros. Ihre Arbeitgeber – namhafte Unternehmen wie der israelische Pharmagigant Teva, Bank Leumi oder eine der vielen High-Tech-Schmieden des Landes – haben sie in die Kibbuz-Kommune geschickt. Hier in der rauen Natur sollen Führungskräfte lernen, als Team zu funktionieren und Konfliktsituationen im Geschäftsleben zu meistern.

Manager ausgerechnet in einem Kibbuz für den knallharten Wettbewerb in der freien Marktwirtschaft fit zu machen – das wirkt auf den ersten Blick reichlich absurd. Schließlich galten die landwirtschaftlichen Siedlungen lange als Inbegriff der kollektivistischen Wirtschaftsform. Jeder im Kibbuz verdiente den gleichen Lohn, egal für welche Arbeit, und alles gehörte allen – das krasse Gegenteil vom individualistischen Leistungsprinzip also.

Im Kibbuz Tuval müssen die Manager aber nicht zum kollektiven Orangenpflücken in der Plantage antreten. In der rauen Natur wird ihnen eine klare Botschaft vermittelt: Ohne Teamgeist kann kein erfolgreiches Unternehmen funktionieren. Ein positives Wir-Gefühl zu schaffen ist Sinn der Übungen im freien Gelände, die alle nur gemeinsam zu meistern sind. „Das Vertrauen zu den Kollegen auf allen Hierarchie-Ebenen war nach ein paar Tagen ein völlig anderes“, berichtet Dani Atoun, Sales Manager des Medizintechnikanbieters MTRE. „Dadurch entstand ein sehr gutes Zusammengehörigkeitsgefühl. Einzelkämpfer gibt es bei uns nicht mehr.“

Rund 150 Gruppen im Jahr kommen zum „Tuval Center for Organisational Effectiveness“ im Kibbuz. 1 600 Dollar kostet im Schnitt pro Gruppe und Tag das Abseilen über Schlammgruben und das Erklettern einer Wippe, die ganz vorsichtig nur von mehreren Personen ausbalanciert werden kann. Im Anschluss diskutieren alle mit Experten über ihre Teamerfahrungen in Extremsituationen.

Mit den Manager-Trainings in der Wildnis hatte der Kibbuz Tuval aus seiner Not eine Tugend gemacht hatte. Tuval ist ein sehr junger Kibbuz, der erst 1980 gegründet wurde. „Wir hatten damals eine Lavendelverpackungsfabrik aufgebaut, die uns fast in den Ruin getrieben hätte“, erzählt Richard Milecki, der Vater der Manager-Kurse. „Mitte der 90er- Jahre suchten wir händeringend nach einer neuen Einkommensquelle.“ Über so manchem der rund 270 Kibbuzim in Israel kreiste der Pleitegeier. Denn viele hatten in den 60er- und 70er-Jahren versucht, auf Pump industrielle Kleinbetriebe aufzubauen. Als die Kredite und Subventionen nach Abwahl der Arbeiterregierung 1977 spärlicher flossen, war mit dem sozialistischen Vorzeigemodell bald Schluss. Also mussten neue Gelderwerbsquellen angezapft werden. Zur Verzweiflung mancher Puristen ging dabei gleich reichlich ideologischer Ballast mit über Bord. Die Landwirtschaft erbringt heute nur noch ein Viertel der Einnahmen der Kibbuzim, das meiste stammt aus Dienstleistungen wie Tourismus.

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