Teamtrainings
Im Häuserkampf den Wettbewerber einzingeln

Teamtrainings werden immer abgedrehter – doch sie nutzen Unternehmen nur, wenn das Erlebte auch in den Arbeitsalltag umgesetzt werden kann. So setzen die meisten Dax-Konzerne nur auf Anbieter, die über eine psychologisch solide Auswertungs-Methodik des Erlebten verfügen.

Der Einsatzwagen hält mit quietschenden Reifen, die Mitglieder des Sondereinsatzkommandos springen aus dem Fahrzeug. Sie tragen dicke Lederhandschuhe, schwere, kugelsichere Westen und Helme, die Gesichter sind wegen der Sturmhauben nicht zu erkennen. Einer schwingt eine Maschinenpistole, die anderen greifen an die Holster an ihren Gürteln, um zu überprüfen, ob ihre Waffen richtig sitzen. Dann stürmen sie die Treppe zu einem Keller hinab. Sekunden später knallt und kracht es aus dem Untergeschoss. Schreie.

In der Hamburger Kaserne schießen an diesem Nachmittag keine Bundeswehrsoldaten oder SEK-Beamte mit Farbkugeln aufeinander und brüllen Kommandos. Stattdessen schauen sich Personalentwickler, Unternehmensberater und Coaching-Anbieter den filmreifen Blaulichteinsatz an. Eisberg Seminare aus Hamburg bieten sie als neuartige Form des Teamtrainings an. Die Idee kommt aus den USA.

Betreut werden die Teilnehmer von ehemaligen Polizisten, die ihnen beim Anlegen der martialischen Montur ebenso zur Seite stehen wie bei der Auswahl der Waffen. Tipps, wie man sich in der Gruppe durch einen dunklen Flur bewegt, an dessen Ende man einen bewaffneten Gewalttäter vermutet, gibt es obendrein. Sicherlich nichts für Zartbesaitete. Frank Kittel, Geschäftsführer von Eisberg Seminare: „Ideen wie der Ausflug in den Hochseilgarten oder der gemeinsame Floßbau stammen aus den 70er-Jahren. Für viele Teams bringt das kein Reiz mehr, sie brauchen etwas Neues.“

Jedes vierte Unternehmen in Deutschland versucht, mit Trainings die Motivation der eigenen Mannschaft zu steigern, wie die Unternehmensberatung Bearing Point ermittelt hat. Häufig werden Teamtrainings eingesetzt, wenn Projekte angeschoben, Abteilungen neu zusammengestellt oder neue Standorte eröffnet werden. Ziel: den Zusammenhalt der bunt zusammen gewürfelten Beteiligten stärken. Denn Fakt ist: Schlagkräftige Teams werden für den Erfolg eines Unternehmens immer entscheidender. Jeffrey Pfeffer, Professor für Organisationsverhalten an der Universität Stanford: „Um eine hohe Mitarbeitermotivation zu erreichen, sollten Sie Ihren Beschäftigten vermitteln, sich als Teil einer sich gegenseitig unterstützenden Gemeinschaft zu fühlen.“ Seine Erfahrung: Gute Teamwork steigert die Motivation jedes Einzelnen mehr als Bonus oder Provision.

Doch wie formt man aus vielen Einzelkämpfern im Büro ein starkes Team? Kittel ist nicht der einzige Trainingsanbieter, der Personalverantwortliche mit neuartigen Team-Konzepten begeistern will. Ein weiterer Hamburger Veranstalter lockt zum „White Collar“-Boxing, bei dem sich Schreibtischtäter – unter anderem Mitarbeiter von Grafikagenturen – miteinander im Ring messen. Ein Psychologe bespricht im Nachgang das Erlebte. Der Seminaranbieter LuckYlu aus Spabrücken bei Rüdesheim hat sich auf Western-Camps im Hunsrück spezialisiert – Bullenreiten, Hufeisenwerfen und Live-Country-Musik inklusive. Alternativ dazu können Teams beim Kreativ-Workshop Splash Art in Berlin den Pinsel schwingen und gemeinsam mit Farbe spritzen, sprühen und tropfen. Change-Manager von Robert Bosch lernen wiederum beim Teigkneten, Eiertrennen und Ausrollen von Pastateig oder Erfinden von Nudelsoßen den Wert neuer Ideen einzuschätzen und Innovationsprozesse zu moderieren.

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