Technik vor Gewinn
Piëch hält seine Hand über Volkswagen

Der Aufsichtsratschef von VW arbeitet an der Vision von einem Autokonzern, der vom Ein-Liter-Auto bis zum 40-Tonner alles abdeckt. Technologie hatte in Piëchs Karriere immer Vorfahrt vor Profitabilität. Audi und VW ist sein manisches Wirken gut bekommen - bis jetzt.
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STUTTGART/FRANKFURT. "Auto Biographie" hat Ferdinand Piëch seine Lebensbeschreibung vor acht Jahren genannt. Darin beschreibt der heute 73-jährige Aufsichtsratschef von Volkswagen, wie er sich in seiner Laufbahn immer wieder gegen massive Gegenwehr anderer Manager oder der eigenen Familie durchsetzen musste. Doch das Buch wurde wohl ein paar Jahre zu früh geschrieben. Denn nach seinem Wechsel vom Vorstandsvorsitz auf den Chefposten als Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen - das war im Jahr 2002 - hat Piëch eigentlich erst richtig Gas gegeben. Porsche, Karmann und Suzuki kamen in jüngster Zeit zum VW-Reich.

Ziel von Piëchs Auto-Vision ist ein weltumspannendes PS-Reich mit Kommandozentrale in Wolfsburg: vom Kleinstwagen, der nicht viel mehr als einen Liter verbrauchen soll, bis zum Supertruck mit 44 Tonnen, dazu eine Vielzahl an alltagstauglichen Modellen und technisch raffinierten Sportwagen. Die Spitze der Autobranche will er einnehmen - vor dem japanischen Rivalen Toyota. Kritiker halten die Ambitionen schlicht für Größenwahn. Diesem Ziel, so scheint es, hat Piëch alles untergeordnet.

Der Enkel von Ferdinand Porsche ist der einzige lebende Abkömmling des genialen Konstrukteurs, der dessen technisches Talent geerbt hat. Sein Vater Anton Piëch baute das VW-Werk nach dem Krieg in Wolfsburg auf. Piëch beerbt beide und eilt von Erfolg zu Erfolg: "Ich kann nicht etwas Gewonnenes feiern. Das liegt mir nicht. Dann ist schon wieder das Nächste dran", hat er einmal gesagt. Piëch war immer ein Getriebener, aber der Reihe nach.

Eigentlich wäre er wohl gerne einmal Porsche-Chef geworden. Der Ingenieur begann 1963 seine Karriere in Zuffenhausen. Als späterer Entwicklungschef baute er den legendären Rennwagen Porsche 917. Das Fahrzeug fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden. Aber Piëch überzog das Entwicklungsbudget so gnadenlos, dass es für Porsche nicht mehr tragbar war. Geld war für den manischen Techniker immer Mittel zum Zweck. Die Porsche-Familie sah das anders. In den 70er-Jahren knallte es zwischen den Familien ein erstes Mal. Der damalige Porsche-Chef Ferry engagierte schließlich einen Wiener Spezialisten für gruppendynamische Beratung und zitierte die gesamte Familie auf das Zeller Schüttgut, den Stammsitz der Dynastie. Am Ende stand ein Kompromiss: Kein Mitglied der Familie durfte mehr ins Management des Sportwagenbauers. Ferdinand Piëch musste seine Karriere woanders weiterverfolgen.

Er ging zu Audi. Dort trieb er die Motorenentwicklung, den Vierradantrieb und die Alu-Karosserie voran. Der heutige VW-Chef Martin Winterkorn war schon damals sein Wegbegleiter. Gemeinsam machten sie aus der biederen Automarke einen Premiumhersteller, der heute Mercedes und BMW die Stirn bietet. Piëch stieg vom Entwicklungs- zum Vorstandschef auf.

Überlegene Technik ist für den Ingenieur der Ursprung von Erfolg in der Autoindustrie. Das darf auch schon mal auf Kosten des Gewinns gehen. Der Erfolg von Audi ermöglichte dem kühlen und rücksichtslosen Manager Anfang der 90er-Jahre den Aufstieg auf den Chefposten beim Mutterkonzern VW.

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