Technologiekonzern
Ganswindt verlässt Siemens-Vorstand

Der als Sanierer gefürchtete Manager geht, weil es seinen Bereich nicht mehr gibt.

MÜNCHEN. Unter Siemensianern ist Thomas Ganswindt nicht gerade bekannt für sein Feingefühl. In den vergangenen Jahren strich der Manager mehr als 20 000 Jobs. In den nächsten Tagen wird der als harter Sanierer bekannte gebürtige Oberhausener selbst seine Sachen packen: Am Freitag gab Siemens bekannt, dass der 46-Jährige den Technologiekonzern Ende des Monats verlassen wird.

Der Abgang kommt nicht unerwartet, denn es war klar, dass die Tage des Thomas Ganswindt im mächtigen Zentralvorstand gezählt sind. Dort ist er für die Problembereiche Telekommunikation (Com) und IT-Dienstleistungen (SBS) zuständig. Weil das Kerngeschäft von Com mit Nokia zusammengelegt wird und SBS stark schrumpft, wäre Ganswindt bald ohne konkretes Arbeitsgebiet dagestanden. Deshalb wurde seit Wochen über die Personalie spekuliert.

Lange Jahre hatte Ganswindt für die Verkehrstechnik von Siemens gearbeitet, ehe ihn der damalige Konzernchef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer 2001 zum Chef des Netzwerkgeschäfts machte, das später in Com aufging. 2004 zog er in den Zentralvorstand ein. Ganswindt gelang es zwar, seinen Bereich aus den roten Zahlen zu führen. Doch wegen des raschen Technologiewandels hin zur Internet-Telefonie und des damit verbundenen Umsatzeinbruchs erreichte das Geschäftsfeld nie die Rendite, die von der Zentrale gefordert wurde.

Der leidenschaftliche Motorradfahrer gefiel sich stets in der Rolle des Sanierers. Der Vater zweier Kinder gab sich meist sehr selbstbewusst, seinen Mitarbeitern gegenüber und auch nach außen. „Ich bringe alle Geschäfte in Ordnung“, sagte der Westfale schon mal oder: „Ich bin nicht gekommen, um die Nummer zwei zu sein.“

Eine Zeit lang galt der Ingenieur als Kandidat für die Nachfolge von Pierers an der Konzernspitze. Von Pierer gab schließlich aber Ganswindts Rivalen Klaus Kleinfeld den Vorzug. Kleinfeld hatte mit der Sanierung des US-Geschäfts schon einen großen Erfolg vorzuweisen, als sich Ganswindt noch mit dem schwierigen Telefonbereich herumschlagen musste.

Ganswindt, der seit 1989 für Siemens gearbeitet hat, wird jetzt Vorstandschef der Luxemburger Elster Group, der ehemaligen Ruhrgas Industries. Das Unternehmen ist ein Anbieter von Geräten, mit denen sich der Verbrauch von Strom-, Gas- und Wasser messen lässt. Elster beschäftigt 9000 Mitarbeiter.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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