Teldafax
Ex-Chef Josten vor Ablauf seiner Strafe frei

Der ehemalige Chef von Teldafax, Michael Josten, ist wieder auf freiem Fuß. Er wurde nach weniger als zwei Dritteln seiner Haftstrafe wieder entlassen. Er war 2007 wegen Untreue in 176 Fällen verurteilt worden.
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DüsseldorfDer ehemalige Vorstandchef und Aufsichtsrat von Teldafax, Michael Josten, ist auf freiem Fuß. Wie die Staatsanwaltschaft Mannheim dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) auf Anfrage bestätigte, wurde Josten nach weniger als zwei Dritteln seiner Gefängnisstrafe aus der Justizvollzugsanstalt Waldshut-Tiengen (Baden-Württemberg) entlassen. „Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat entschieden, dass bei Herrn Josten eine günstige Sozialprognose vorliegt“, sagt Oberstaatsanwältin Christina Arnold in Mannheim. Dies habe die Entlassung auf Bewährung gerechtfertigt.

Josten, der ehemalige Vorstandschef und spätere Aufsichtsrat von Teldafax war im März 2007 wegen Untreue in 176 Fällen und Gläubigerbegünstigung bei der Secur-Finanz-Gruppe zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Laut dem Urteil des Landgerichts Mannheim brachte Josten Tausende von Immobilienanlegern mit einem Schneeballsystem um ihr Geld. Die Richter bescheinigten dem ehemaligen Schatzmeister der CDU Sachsen-Anhalt „eine erhebliche kriminelle Energie“. Außerdem vermerkten sie bei ihm „eine besonders habgierige Gesinnung“.

Trotz des harten Urteils gelang es Josten, seine Inhaftierung mehr als drei Jahre zu verzögern. Durch Beschwerden und Gnadengesuche entzog er sich dem Zugriff der Behörden. Als es gar nicht mehr anders ging, verlegte er seinen Wohnsitz in die Schweiz. Er blieb nach seiner Verurteilung noch monatelang Vorstandschef von Teldafax, wechselte dann in den Aufsichtsrat und drehte das nächste große Rad. Erst 2010 kam Josten hinter Gitter, wurde aber schnell Freigänger – und sprach sich weiter eng mit dem Teldafax-Vorstand über die Zukunft des Unternehmens ab.

Im Juni 2011 brach Teldafax völlig überschuldet zusammen. Der Insolvenzverwalter Biner Bähr stellte wenige Tage nach seinem Antritt den Geschäftsbetrieb ein. Für den morgigen Dienstag hat Bähr die 700.000 Gläubiger von Teldafax zur Gläubigerversammlung auf das Kölner Messegelände eingeladen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Teldafax: Ex-Chef Josten vor Ablauf seiner Strafe frei"

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  • http://www.moneyhouse.ch/p/michael-josten

    Hier steht sein Wohnort. Ist bestimmt nicht schwer ihn vor Ort zu treffen. Er freut sich sicher über einen Klein-Bürger-Besuch und sponsort evtl. noch ein paar Franken für Kaffee und Kuchen.

  • Ich verstehe nicht, wie man ihm in dieser Sache günstige Zukunftsprognose erteilen kann.
    Die Sache TDF, an der er erheblich mitwirkte ist doch auch ihm zuzurechnen.
    Demnach ist doch zu erwarten, dass hier ein weiter Prozess auf ihn zukommt?
    Folglich ist die Entscheidung nicht nachzuvollziehen...

  • Recht und Gesetz.

    http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/eh/kaisers.html
    und
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/ex-chef-josten-vor-ablauf-seiner-strafe-frei/5809538.html

    Es ist nicht die Theorie des Rechtsstaates, der unsere Gesellschaft zerstört. Es ist die Praxis der ständisch-korporativen Besitzstandswillkürjustiz, die wir heute zu beklagen haben.

    Die deutsche Justiz im Jahre 2011 weist so viele Ähnlichkeiten zur Herrenmenschenjustiz des 3. Reiches und der stalinistischen Kaderfunktionärsdiktaturjusitz der DDR auf, dass wir uns alle langsam Gedanken um unsere eigene Zukunft, unsere eigene Sicherheit und unsere eigenen realen Möglichkeiten machen sollten, mit realer Wettbewerbsfähigkeit und tatsächlichen Fähigkeiten unsere eigene Zukunft sichern zu können.

    Das heutige Deutschland ist kein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat mehr. Deutschland 2011 ist eine durch und durch korrupte und ständisch-korporativ verfasste Besitzstandsdiktatur. Das scheint mir das verheerendes Resumee zu sein, dem wir nicht mehr entgehen, wenn wir diese real-existierende Neue Soziale Marktwirtschaft und deren zentralen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirschaftskern anschauen.

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