Telekom-Aktie unberührt
Obermann wählt holländischen Maschinenraum

Der scheidende Telekom-Chef hatte die geplante Abkehr vom Großkonzern damit begründet, „näher an den Maschinenraum“ rücken zu wollen. Er wechselt in eine Branche, die seinen bisherigen Arbeitgeber gehörig ärgert.
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DüsseldorfEinen interessanten künftigen Arbeitgeber habe sich der scheidende Telekom-Vorstandschef René Obermann ausgesucht, meint Wolfgang Specht, Analyst beim Bankhaus Lampe. Ausgerechnet einen Kabelnetzbetreiber. „Denn die Konkurrenz des Kabels ist für die Probleme im Festnetzgeschäft der Telekom mitverantwortlich“, so Specht zu Handelsblatt Online.

Am späten Mittwochabend hatte das niederländische Unternehmen Ziggo mit der Nachricht überrascht, dass Obermann ab Anfang 2014 die Geschicke der Firma mit 3000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 1,54 Milliarden Euro lenken wird. Der jetzige Ziggo-Chef Bernard Dijkhuizen gehe dann in den Ruhestand. Ziggo ist aus der Fusion dreier kleinerer Unternehmen entstanden und hat unter anderem drei Millionen Kabelnetzkunden in den Niederlanden.

Zwar hatte Obermann ankündigt, er wolle mit seinem frühzeitig angekündigten Abschied zum Jahresende bei der Telekom „näher an den Maschinenraum rücken“ und mehr mit der Entwicklung von Innovationen in Berührung kommen. Doch die rasche Ankündigung seiner künftigen Tätigkeit überraschte Beobachter. „Die Mitteilung kommt recht früh“, so Specht.

Doch große Relevanz habe die Meldung für die Aktie der Telekom dennoch nicht, urteilt Ulrich Trabert vom Bankhaus Metzler bei. Denn der Übergang bei der Telekom sei geregelt. Ob der guten Beziehung zwischen Obermann und dem als Nachfolger auserkorenen derzeitige Finanzvorstand Tiomtheus Höttges bestünde nicht die Gefahr einer ungeordneten Übergabe. Die Telekom-Aktie notierte am Morgen 0,3 Prozent im Minus bei 8,25 Euro.

Die Ziggo-Hauptversammlung muss Obermanns Verpflichtung am 18. April noch zustimmen, teilte das Unternehmen mit. Ein Sprecher der Telekom sagte, dass sich an der Abgabe des Amtes zum Jahresende nichts ändern würde.

Obermann hat die Konzernwelt offenbar nie wirklich gemocht. Er hasst jede Form von Kompetenzgerangel, wie es ein hochrangiger Mitarbeiter formuliert, genauso Arbeitsgruppen ohne operative Agenda. Der Manager ist Unternehmer durch und durch geblieben. Er will Ideen umsetzen, schnell und ohne jede Bürokratie – dass könnte ihm jetzt bei Ziggo gelingen. Als börsennotiertem Konzern wird aber auch beim neuen Arbeitgeber eine große öffentliche Aufmerksamkeit gewiss sein.

Mit Material von dpa, Reuters.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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  • Arme ZIGGO Aktionäre!
    Nach Bekanntwerden dieser Mitteilung durch Ziggo ist der Aktienkurs der ZIGGO um ca. 2,5% gefallen an der Amsterdamer Euronext Börse. Dies entspricht auf Basis einer aktuellen Marktkapitalisierung von EUR 5,2 Mrd für ZIGGO einem aktuellen Kursverlust von umgerechnet EUR 130 Mio. und das in einem positiven heutigen Börsenumfeld!
    Der Kapitalmarkt begrüsst somit die Bestellung von Herrn Obermann nicht weil a) er die Deutsche Telekom absolut nicht in eine wachsende Profitabilität führen konnte und b) unverrichteter Dinge einfach den Chefposten verlassen hat und somit Tausende von Telekom Mitarbeitern und Aktionären im Endeffekt im Regen hat stehen lassen.

    Dem ZIGGO Aufsichtsrat kann nur dazu geraten werden sich zu Fragen ob Herr Obermann jemals den heutigen Kursverlust von ca. EUR 130 Mio. "einspielen" wird können als CEO von Ziggo. Der Kapitalmarkt hat heute ganz klar hierzu NEIN gesagt. Man kann dem ZIGGO Aufsichtsrat nur wünschen sich guten juristischen Beistand zu holen weil die Entscheidung einen eher mittelmässigen Manager an die Spitze eines Top Unternehmens wie ZIGGO zu setzen eindeutig geschäftsschädigend ist und es ist nur eine Frage der Zeit bis Aktionäre juristisch Schadensersatzforderungen in den nächsten zwei-drei Jahren gegen den ZIGGO Aufsichtsrat anstreben werden wenn man erkennt dass Herr Obermann leider seine gut getarnte Inkompetenz bei der Deutschen Telekom nicht mehr verstecken kann. Aktienkurse lügen nie.

  • Für Obermann war die Telekom immer mehrere Nummern zu groß.

    Der ist da durch alte Seilschaften über den österreichischen Oberschwätzer Ron Sommer reingerutscht und hat seitdem systematisch den Aktienkurs zerlegt.

    Besser für die Telekom, wenn er jetzt einen Teilkonkurrenten schädigt!

  • Ob Ron Sommer oder Obermann, beide Versager, man braucht sich nur den Aktienkurs anschauen. Der Ausflug in die USA
    völlig überflüssig, auch Daimler hatte sich mit Chrysler eine blutige Nase eingehandelt, wie sich die Bilder gleichen. Man kann nur hoffen, dass nicht wieder ein Blender vom Aufsichtsrat herangeholt wird.

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