Telekom Austria: Schluss mit Aussitzen

Telekom Austria
Schluss mit Aussitzen

Telekom-Austria-Chef Heinz Sundt scheitert nach vielen Jahren am Dauerzwist mit dem Haupteigentümer. Er räumt seinen Stuhl im Mai für den Chef der Mobilfunksparte des Unternehmens. Den hat der Markt schon jetzt liebgewonnen.

WIEN. Wer, wenn nicht ein Telekomchef, sollte über gute Verbindungen verfügen? Wer, wenn nicht ein Vieltelefonierer, sollte rechtzeitig hören, wenn die Kritik lauter wird? Heinz Sundt, Chef des ehemaligen Staatsmonopolisten Telekom Austria, hat die Signale in der Leitung lange ignoriert.

Am Donnerstag ging es nicht mehr. Der 58-Jährige, von dessen kahlem Kopf schon in jüngeren Jahren die Würde des Alters ausging, räumt seinen Platz. Bei der nächsten Hauptversammlung des Konzerns im Mai, der zu den Lieblingen an der Wiener Börse gehört, wird er seine Aufgabe an den zehn Jahre jüngeren Boris Nemsic abgeben. Der gebürtige Kroate mit dem vergleichsweise wilden Haarschopf leitet die Mobilfunksparte der Telekom Austria und gilt als Ziehsohn des Chefs.

Doch wie das so ist mit Ziehsöhnen: Manchmal wachsen sie schneller, als ihre Väter sich das wünschen. Im Fall von Sundt und Nemsic hat das gestern dazu geführt, dass beide zwar nebeneinander saßen, als es bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Wien um ihre Zukunft ging, aber keiner den anderen angucken wollte.

Sundt wäre gern noch geblieben. Sein Vertrag wäre ursprünglich noch ein Jahr länger gültig geblieben. Aber als Chef mit begrenztem „Ablaufdatum“ wollte er nicht weitermachen. So sagte er. Dass er ausgerechnet die Verbindung zum wichtigsten Eigentümer verloren hatte, sagt er nicht. „Alte G’schichten braucht’s nicht aufwärmen“, hieß sein Kommentar.

Die alte Geschichte geht so: Die österreichische Staatsholding ÖIAG, die auf die Anweisungen des fidelen Finanzministers Karl–Heinz Grasser hört, besitzt rund ein Drittel der Telekom-Austria-Aktien. Und Grasser ist kein Freund des passionierten Tennisspielers Sundt, dem seine Gegner eine hohe Aufschlagqualität bescheinigen. Der Zwist zwischen beiden begann im Jahr 2000, als der ehemalige IBM-Manager und spätere Mobilfunkchef an die Spitze der Telekom Austria rückte und den Auftrag hatte, das Unternehmen im selben Jahr an die Börse zu bringen. Sundt riet zu mehr Gemächlichkeit, was Grasser aufregte.

Ein Jahr später sollte Sundt die Quittung bekommen und das erste Mal seinen Hut nehmen. Der damalige ÖIAG-Chef Johannes Ditz suchte nicht ohne Wissen des Finanzministers nach einem Ersatzspieler für Sundt. Als Ditz niemanden fand, stolperte er selbst über diese Personalie. Sundt blieb, sein Kommunikationsnetz hatte sich noch als intakt erwiesen. Dann folgte 2004 das Swisscom-Debakel. Sundt war sich in Übernahmeverhandlungen mit seinem Kollegen Jens Alder von der Schweizerischen Swisscom beinahe handelseinig geworden, als der Deal platzte. Jeder schob anschließend dem anderen die Schuld in die Schuhe. Politik und Unternehmen hatten nicht an einem Strang gezogen.

Seit dem vergangenen Jahr machte Grasser dann über die ÖIAG Druck, die Struktur der Telekom Austria zu ändern. Der Finanzminister wollte eine Holding schaffen, unter deren Dach Festnetz und Mobilfunk weitgehend freie Bahn haben. Sundt wollte aber an der bestehenden Konstruktion festhalten, bei der dem Festnetz die anderen Bereiche zugeordnet sind.

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