Telekom
Guido Kerkhoff – der Diplomat mit Gespür für heikle Lagen

Hamid Akhavan verlässt die Telekom und wechselt auf den Chefsessel von Siemens Enterprise Communications nach München. Die Aufgaben des Amerikaners im Vorstand müssen nun neu verteilt werden. Davon könnte vor allem ein ehemaliger Kollege profitieren, der zuletzt immer leer ausging.
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DÜSSELDORF. Telekom-Chef René Obermann wird nach dem Weggang seines Chief Operating Officers (COO) Hamid Akhavan den Vorstand neu ordnen. Der große Gewinner soll Guido Kerkhoff werden, seit einem Jahr Vorstand für Südeuropa und Osteuropa. Der bisherige Posten des COO wird ersatzlos gestrichen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen. Offenbar gab es zwischen der Führungsspitze der Deutschen Telekom und dem Aufsichtsrat Ulrich Lehner bereits informelle Gespräche. Obermann will dem Aufsichtsrat auf der nächsten Sitzung am 17. Dezember entsprechende Vorschläge machen und die neue Führungsarchitektur bereits im Februar vorstellen.

Akhavan wird noch bis Ende Februar als COO in Bonn arbeiten. Dann wechselt der Amerikaner persischer Herkunft auf den Chefsessel des Telefonanlagen-Bauers Siemens Enterprise Communications (SEN) nach München. Akhavan stieg erst in diesem Jahr zum COO auf. Der enge Vertraute Obermanns war zuletzt für das Tagesgeschäft verantwortlich und die Nummer zwei im Magenta-Konzern. Der Posten des COO wurde von Obermann extra für Akhavan geschaffen. Der gelernte Elektroingenieur und frühere Chef von T-Mobile International ist bereits seit September 2001 bei der Telekom.

Der Weggang Akhavans ist keine Überraschung. Bereits seit Monaten kursierten in der Konzernzentrale Spekulationen, dass sich der energische Manager aus Bonn verabschieden wolle. Dennoch kommen die Personalie und der damit verbundene Umbau des Vorstands für Obermann höchst ungelegen. „Wir werden ihn im Vorstand vermissen“, sagte der Vorstandschef gestern.

Obermann hatte erst im Februar die Führungsriege in Bonn neu geordnet. Damals holte er für das Geschäft in Südosteuropa Guido Kerkhoff in den Vorstand. Zuvor galt der Betriebswirt als möglicher Nachfolger des früheren Finanzvorstands Karl-Gerhard Eick. Doch Obermann gab seinem Freund Timotheus Höttges damals den Vorzug.

Mit 42 Jahren ist der ehemalige VEW-Manager Kerkhoff das jüngste Mitglied des Vorstands. Der ausgewiesene Finanzexperte war zuvor Leiter des Rechnungswesens und Controllings. Bis 2002 arbeitete Kerkhoff als Abteilungsleiter Grundsatzfragen unter dem früheren Finanzvorstand Siegfried Luther beim Medienkonzern Bertelsmann.

Kerkhoff soll offenbar die fünf Mobilfunkländer von Akhavan in Westeuropa zu seinem jetzigen Aufgabengebiet dazubekommen. Damit würde der ehemalige Controller zu einem der mächtigsten Männer der Telekom aufstiegen.

Obermann schätzt Kerkhoffs operative Leistungen. Das Einfädeln der Beteiligung an dem griechischen Telekomanbieter OTE zählt zu seinen Verdiensten. Kerkhoff gilt als ausgezeichneter Kommunikator, der auch mit unterschiedlichen Mentalitäten gut umgehen kann. Ähnlich wie sein früherer Vorgesetzter Siegfried Luther bei Bertelsmann hat Kerkhoff den Ruf, ein Diplomat mit Gespür für schwierige Situationen zu sein. „Er hat hervorragende Integrationsarbeit geleistet“, heißt es in der Telekom-Zentrale. „Er ist einer mit Durchsetzungsvermögen“, sagt ein Telekom-Insider. Kerkhoff verantwortet das Festnetz- und Mobilfunkgeschäft der Telekom in Griechenland, Ungarn, der Slowakei, Kroatien, Albanien, Mazedonien, Montenegro und Rumänien.

Akhavan wird im März zum Netzwerk-Spezialisten SEN als Vorstandschef wechseln. Der rastlose Manager soll den Telefonanlagenbauer, ein Joint Venture von Siemens und dem US-Finanzinvestor Gores, sanieren und offenbar an die Börse bringen. „Akhavan wollte einfach die Nummer eins sein“, sagt ein Insider zu den Motiven. Außerdem winken dem ehemaligen Nasa-Manager bei SEN offenbar lukrative Aktienoptionen. Allerdings ist der Chefsessel bei SEN ein Schleudersitz. In den vergangenen eineinhalb Jahren ist das nun der dritte Chefwechsel. Im laufenden Geschäftsjahr werden zwar schwarze Zahlen erwartet. Aber bei SEN ging es zuletzt wegen der Wirtschaftsflaute bergab. Der Umsatz soll zuletzt auf rund 2,8 Mrd. Euro gefallen sein.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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