Telekom-Prozess
Lange Anreise, wenig Fortschritt

Sein Name fiel zuletzt häufig vor dem Frankfurter Oberlandesgericht: Jeffrey Hedberg. Der US-Manager saß mehrere Jahre im Vorstand der Deutschen Telekom und trieb die Internationalisierung des Konzerns voran. Wer, wenn nicht er, sollte die Einzelheiten zur Voicestream-Übernahme im Jahr 2000 kennen?

FRANKFURT. Nachdem sich so viele andere Zeugen vor Gericht nur noch bruchstückhaft erinnern konnten, war Hedberg so etwas wie der Hoffnungsträger der Kläger. Jetzt ließ er sich als Zeuge befragen - nicht wie ursprünglich geplant per Video-Schalte, sondern persönlich vor Ort im Clubraum 1 der Veranstaltungshalle in Frankfurt-Bornheim. Dazu war er eigens aus dem südafrikanischen Johannesburg eingeflogen, wo er mittlerweile als Chef des Telekommunikationsunternehmens Cell C tätig ist.

Hedberg schilderte ausführlich die Expansionstrategie der Telekom. Er stützte dabei die Aussagen von Ron Sommer, dass die 40 Mrd. schwere Übernahme von Voicestream tatsächlich innerhalb kurzer Zeit, im Juli 2000, abgewickelt wurde.

Die Kläger werfen der Telekom vor, den Voicestream-Deal schon viel früher eingefädelt zu haben und im Börsenprospekt zum dritten Börsengang des Bonner Konzerns vom Juni 2000 bewusst verschwiegen zu haben. Der Voicestream-Komplex galt noch zu Beginn des Prozesses der 16 000 klagenden Aktionäre gegen die Telekom als einer der zentralen Streitpunkte.

Zwar habe es Ende März Gespräche mit den Voicestream-Verantwortlichen gegeben, sagte Hedberg. Diese dienten allerdings nur dazu, mit dem US-Mobilfunker im Gespräch zu bleiben. Viel wichtiger seien zu diesem Zeitpunkt ganz andere mögliche Übernahmeziele wie etwa SBC, Qwest und Cable & Wireless gewesen. Mit den Voicestream-Managern habe man vereinbart, dass beide Seiten unabhängig voneinander weiter nach Partnern suchen würden.

Bis Juni herrschte dann Funkstille. Erst als man aus der Presse erfahren habe, dass der japanische Mobilfunk-Konzern NTT DoCoMo an Voicestream interessiert sei, habe man wieder Kontakt zu den Voicestream-Managern aufgenommen, sagte Hedberg. Er selbst habe die US-Kollegen darüber informiert, dass man - sollte es zu einem Verkauf kommen - gerne "mit am Tisch sitzen würde". Allerdings waren die Erfolgsaussichten anscheindend zunächst vergleichsweise gering. So habe Voicestream-Großaktionär Hutchison Whampoa Zweifel darüber geäußert, dass die Telekom den Deal tatsächlich stemmen wolle, sagte Hedberg.

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