Telekom-Prozess
Mein Name ist Siegfried, ich weiß von nichts

Die Reihen lichten sich beim Mammut-Prozess gegen die Deutsche Telekom. Am sechsten Verhandlungstag bleibt sogar der Stuhl von Anleger-Anwalt Tilp leer. Die Hoffnungen der Kläger ruhen nun auf einem, der schon im Mannesmann-Prozess von sich reden machte.

FRANKFURT. Andreas Tilp ist unterwegs. Sein Vertreter Peter Gundermann befragt stattdessen den Zeugen. Schon nach wenigen Minuten wird klar: Auch Bernd Siegfried gibt nicht die Antworten, die die rund 16 000 Kläger gerne hören würden.

Siegfried koordinierte 2000 den dritten Börsengang der Deutschen Telekom für die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Vom Voicestream-Deal, der die Telekom rund 40 Mrd. Euro kostete, will er erst am 19. Juli 2000 erfahren haben; vier Tage vor der Aufsichtsratsitzung, auf der das Milliarden-Geschäft von den Aufsehern abgesegnet wurde.

Die Kläger werfen der Telekom vor, den Deal schon viel früher - im Juni - eingefädelt und dies den Anlegern im Börsenprospekt zum dritten Börsengang bewusst verschwiegen zu haben. Siegfried jedenfalls wusste von nichts. Schon nach einer guten halben Stunde darf er den Zeugenstand wieder verlassen. Telekom-Anwalt Bernd Wilhelm Schmitz: "Keine weiteren Fragen."

Die Anleger-Anwälte wollen die Liste der Zeugen nun verlängern. Möglicherweise könne der frühere KfW-Chef Hans Reich, damals Mitglied im Aufsichtsrat der Telekom, zur Klärung der Fragen beitragen, sagte Klägeranwalt Ralf Plück. Als Zeuge gefragt ist auch Canning Fok, Chef des damaligen Voicestream-Großaktionärs Hutchison Whampoa. Ob Fok den Telekom-Klägern tatsächlich helfen kann? Schon im Mannesmann-Prozess war Fok Zeuge. Der Asiate war damals per Videokonferenz zugeschaltet und hatte mit seinen Aussagen den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser entlastet.

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