Telekom-Prozess
Tage der Abrechnung

16 000 Kläger, 800 Anwaltskanzleien, ein Streitwert von 80 Millionen Euro - das am Montag startende Verfahren enttäuschter Anleger gegen den Telekom-Konzern sprengt alle Dimensionen. Bis zu einer Entscheidung könnten Jahre ins Land gehen.

FRANKFURT. Unter anderen Umständen wäre der Deutschen Telekom so viel Aufmerksamkeit sehr recht. Nicht aber am kommenden Montag: Eine Armee von bis zu 800 Anwälten wird dann in Frankfurt einrücken. Sie wollen klären, ob ihre Mandanten beim dritten Börsengang des Bonner Konzerns im Jahr 2000 übers Ohr gehauen wurden. Weil die Räume des Frankfurter Oberlandesgerichts für diesen Zweck zu klein sind, musste eine Veranstaltungshalle im Stadtteil Bornheim angemietet werden.

Es ist ein einzigartiger Prozess, den die 23. Zivilkammer unter dem Vorsitzenden Richter Christian Dittrich vor sich hat. Rund 16 000 Kläger wollen mit der Deutschen Telekom abrechnen. Es geht um den vergleichsweise geringen Streitwert von 80 Mill. Euro. Die Kläger hatten sich beim dritten Börsengang des Bonner Konzerns im Jahr 2000 mit T-Aktien zum Preis von 63,50 Euro eingedeckt. Kurz darauf stürzte der Kurs ab (siehe "Jäher Absturz"). Die T-Aktie hat sich davon nie wieder erholt. Die Aktionäre fühlen sich von der Telekom betrogen. "Die im Börsenprospekt veröffentlichten Daten, die zur Beurteilung der Aktien notwendig sind, waren falsch", sagt Rechtsanwalt Andreas Tilp, dessen Kanzlei rund 300 Kläger im Prozess vertritt.

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Insgesamt müssen sich die Richter an 187 Streitpunkten abarbeiten. Die Kläger werfen der Telekom unter anderem vor, das Immobilienvermögen des Konzerns zu hoch angesetzt und damit die Aktien überteuert verkauft zu haben. 2001, nur ein Jahr nach dem dritten Börsengang, korrigierte die Telekom in der Eröffnungsbilanz für das Jahr 1995 ihr Immobilienvermögen um insgesamt 2,5 Mrd. Euro nach unten.

Die Kläger und ihre Anwälte gehen davon aus, dass der Bonner Konzern schon viel früher vom Wertverfall seiner Immobilien gewusst, dies aber bewusst verschwiegen hat. Nach dem Börsengesetz ist die Telekom für die Richtigkeit der Angaben im Prospekt verantwortlich. "Wir sind fest davon überzeugt, dass sich im Laufe des Verfahrens zeigen wird, dass alle erhobenen Vorwürfe haltlos sind", heißt es bei der Telekom, die von der Anwaltskanzlei Latham & Watkins vertreten wird.

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