Telekom-Spitzelprozess
Ricke will nichts Illegales veranlasst haben

Prominenz beim Telekom-Spitzeprozess vor dem Landgericht Bonn: Am Freitag sagte der ehemalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke als Zeuge aus. Er räumte zwar ein, dass er zwischen 2005 und 2006 im Konzern undichte Stellen finden wollte – bestritt aber jede Verwicklung in illegale Aktivitäten.
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BONN. Im Telekom-Spitzelprozess hat der ehemalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke die Vorwürfe gegen ihn bestritten. Es sei zwar richtig, dass er den Auftrag erteilt habe, undichte Stellen im Konzern zu finden. Er könne aber ausschließen, „dass wir über irgendwelche illegalen Methoden gesprochen haben“, sagte Ricke am Freitag in seiner Zeugenaussage vor dem Landgericht Bonn.

Angeklagt ist unter anderem Klaus Trzeschan, ein ehemaliger Mitarbeiter der Konzernsicherheit. In der sogenannten Spitzelaffäre hat die Telekom in den Jahren 2005 und 2006 die Telefonate von Aufsichtsratsmitgliedern und Journalist überprüft, um herauszufinden, wer Geheimnisse an die Presse weiterleitete. Trzeschan hatte vor Gericht behauptet, Ricke habe ihn am 20. Januar 2005 nach einer großen Gesprächsrunde zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten und ihn aufgefordert, mit niemandem über die Suche nach undichten Stellen zu reden.

Ricke bestritt dies heute vor Gericht. Er habe weder von der Möglichkeit erfahren, Telefonate ausspionieren zu lassen, noch habe er Trzeschan an jenem Tag aufgefordert, über den Auftrag Stillschweigen zu bewahren. Auch im weiteren Verlauf dieser Suche sei die Erhebung von Verbindugsdaten nie erwähnt worden. „Sonst wäre ich eingeschritten“, sagte Ricke.

Ins Rollen brachte die Aktion ein Artikel des damaligen „Capital“-Redakteurs Reinhard Kowalewsky über die Mittelplanung der Telekom am 20. Januar 2005. Verdächtigt, Kowalewskys Informant zu sein, wurde Aufsichtsrat Wilhelm Wegner. Ricke erklärte nun am Freitag, er sei davon ausgegangen, Wegners Schuld sei durch die Eidesstattliche Versicherung eines „Capital“-Mitarbeiters bewiesen, der darin eine Verbindung zwischen dem Aufsichtrat und dem Journalisten bezeugt habe. Wegner bestreitet, der Informant gewesen zu sein.

Ricke selbst räumte vor Gericht ein, dass er die Eidesstattliche Versicherung selbst nie gesehen habe.

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Bonn Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel verdächtigt, die Suchaktion beauftragt oder zumindest davon gewusst zu haben. Zumwinkel muss in dem Prozess nicht aussagen, da er sich unter Umständen selbst belasten könnte. Er gehörte ebenso wie Ricke ursprünglich zu den Beschuldigen. Sowohl er als auch Ricke hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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