Tepco-Chef Nishizawa
Der Unbelehrbare

Tepco-Präsident Toshio Nishizawa kämpft gegen die Verstaatlichung seines Unternehmens. Doch um ihn herum ist einsam geworden. Selbst die Atomlobby-freundlichen japanischen Medien rücken von ihm ab.
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TokioToshio Nishizawa hat ein kantiges Gesicht und kantige Ansichten. Die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima 1 verstrahlen die Umgebung noch immer, in der Öffentlichkeit wird der Betreiber der Meiler, Tokyo Electric Power (Tepco) verdammt. Doch Tepco-Präsident Nishizawa kämpft seit Monaten unbeirrt gegen eine Nationalisierung des Stromkonzerns. Der 61-jährige muss ein dickes Fell haben, um das zu tun. Denn um ihn herum ist es einsam geworden.

Japans große TV-Sender und Zeitungen, einst gut mit Werbung dotierte Sprachrohre von Japans starker Atomlobby, rücken von Tepco ab, um es sich mit ihren Lesern nicht zu verderben. Und ausgerechnet einer der Politiker, die der Stromkonzern über Jahre durch den Kauf von Party-Tickets generös unterstützt hatte und auf seiner Seite wähnte, will nun den als Gegenleistung für staatliche Hilfe den Stromkonzern verstaatlichen.

Zum Unglück für Tepco handelt es sich ausgerechnet um Yukio Edano, der als Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie die Atomindustrie reguliert. Er war während der Atomkrise der Sprecher der Regierung. Und die Erfahrung hat ihn anscheinend nachhaltig in einen Gegner Tepcos verwandelt.

Nur der Unternehmensverband Keidanren wirft sich in der Person seines bulligen Vorsitzenden Hiromasa Yonekura schwergewichtig für Tepco in die Bresche. Eine Verstaatlichung, und sei sie zeitlich begrenzt, sei überflüssig, wird er nicht müde zu betonen. Denn nicht Missmanagement, sondern eine Naturkatastrophe sei schuld am Atomunfall gewesen.

Doch auch der Keidanren findet wenig Gehör. Zum einen ist das Eigeninteresse seiner Mitglieder allzu offensichtlich. Konzerne wie die Kraftwerksbauer Toshiba, Mitsubishi Heavy oder Hitachi gehörten bisher zu den großen Profiteuren der lokalen Strommonopole. Sie schlugen den Stromkonzernen satte Preise für Kraftwerke, Bauteile und Material vor und die Konzerne zahlten. Schließlich konnten die Stromerzeuger die Kosten auf ihre Kunden umlegen.

Kommentare zu " Tepco-Chef Nishizawa: Der Unbelehrbare"

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  • Jeder Unternehmensführer würde sich gegen eine Verstaatlichung wehren, das liegt in der Natur der Sache, das sollte auch dem Schreiber des Artikels bekannt sein.
    Weiterhin sind Unternehmen (auch im Kraftwerksbau)in einer funktionierenden Volkswirtschft dazu da Gewinne Gewinne zu machen, da wir hier nicht im real existierenden Sozialismus leben, ist das nun mal so.
    Warum wird gegen die Enerigewirtschaft gehetzt und die Banken, welche großzügig Kredite an Griechenland vergeben haben verschont ?
    Eine gewisse Neutralität bei der Berichterstattung in Deutschland vermisse ich generell, dazu rate ich dringend de Lektüre ausländischer Medien. Ich habe das Gefühl, das hier die Ökofaschisten Ihre Macht beim Einfluß auf die Medien geltend machen.
    Ich hoffe auf Besserung bezüglich Neutralität bei der Berichterstattung.

  • @vandale

    Sind Sie für die Atommafia tätig, und fürchten Sie um den Verlust ihres überdurchschnittlichen Einkommens? Machen Sie doch mal Urlaub in Fuckushima, das wird Ihnen gut tun.

  • ...ein Minister der mit der Solarenergie neben Wind eine der beiden Standbeine der gewollten Energiewende indirekt abschaffen möchte, kann nicht behaupten, dies sei ein Vorbild für andere Länder.

    Röttgen und Rösler lassen sich durch EON und RWE kaufen, weil vor allem durch die Solarenergie massiv Geld verlieren.

    Solarstrom kostet in Dtld. aus der Dachanlage aktuell etwa 17 Cent/kWh, während Netzstrom 24 Cent/kWh kostet. Mit Speicher ist dabei eine fast vollständige Eigenversorgung möglich. Zwar treten durch den Speicher Mehrkosten auf, addiert ist dies aber nicht teurer als Netzstrom und das beste ist: Man investiert einmal und hat 20-25 Jahre kostenlosen Strom - ohne Strompreisteigerung bei mehr Unabhänigkeit.

    Gerade tagsüber war Strom traditionell teuer. Durch die Solarenergie sind die Preise für Tagstrom massiv gefallen, sodass in der Mittagszeit Strom an der Leipziger Strombörse EEX mittlerweile oft sogar günstiger ist als in der Nacht. Damit gegen EON und RWE massiv Gewinne verloren.

    Solarstrom kann dezentral und verbrauchernah erzeugt werden, wodurch eigentlich jeder zum Stromerzeuger werden kann und damit jeder eine Konkurrenz und Gefahr für EON und RWE darstellt.

    EON und RWE haben Angst vor Solarenergie.

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