Tesco-Chef Terry Leahy
Die Schattenseite des Erfolgs

Nach einem Jahrzehnt an der Spitze von Tesco ist Terry Leahy der unumstrittene König des britischen Einzelhandels. Er hat Tesco zur mit Abstand führenden Supermarktkette im Land gemacht und zwölf neue Auslandsmärkte erobert. Er hat Umsatz und Gewinn verdreifacht und den Börsenwert verachtfacht.

LONDON. Er wird in der Branche respektiert, sogar bewundert, aber seine Erfolge haben eine Schattenseite: Tesco verkörpert heute für viele Umweltschützer, Bauern, Lokalpolitiker und Bürger die dunkle Seite des Kapitalismus. Der Konzern ist für sie der böse Handelsmulti, der Lieferanten auspresst und die Tante-Emma-Läden vernichtet.

Wenn das Leahy ernsthaft belastet, dann kann er es gut verbergen. Der 51-jährige Manager mit dem kantigen Kopf, dem kurzen Haar und der unauffälligen Brille ist ein nüchterner Zahlenmensch. Er gilt als einer, der auch intern nicht poltert, allerdings auch selten Wärme ausstrahlt. Ab und an lässt er den Ärger durchschimmern, stets stellvertretend für die Branche am Pranger zu stehen. Doch er begegnet den emotionalen Einwänden lieber mit Argumenten als mit Polemik.

Auch in den vergangenen Tagen wird er sich geärgert haben, als in der Presse über einen Durchbruch in den seit mehr als einem Jahr währenden Untersuchungen der Wettbewerbskommission gegen die großen Supermärkte zu lesen war. Tesco und Hauptkonkurrent Asda werden Millionen interner E-Mails freigeben, damit die Kartellwächter Hinweisen nachgehen können, dass sie ihre Lieferanten drangsaliert haben, um sie zu Rabatten zu bewegen.

Nun wäre eher das Gegenteil eine Überraschung, wie Einzelhandelsexperte Bryan Roberts von der Beratungsfirma Planet Retail sagt. Sollten die Kartellbehörden aber in ihrer zweiten gründlichen Untersuchung in diesem Jahrzehnt endlich belastendes Material finden, dann wäre das für die bunte Schar der Tesco-Gegner ein gefundenes Fressen.

Leahy versucht, ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem er Tesco auf grünen Kurs steuert. Strombetriebene Lieferwagen, Windräder auf dem Dach, mehr Recycling, weniger Plastiktüten, energiesparende Technik in den Läden. „Ich musste die Analysten schon beruhigen, dass ich nicht plötzlich ein Öko-Krieger geworden bin“, witzelt Leahy.

Während der Familienvater und Fußballfan daheim eine Image-Schlacht führt, verlagern sich seine geschäftlichen Ziele immer mehr ins Ausland: Wird der Aufbau einer eigenen Ladenkette in den USA zum Erfolg, dann verdient er sich eine Millionenprämie. Zugleich würde damit der drei Jahre jüngere US-Chef Tim Mason zum Favoriten für Leahys Nachfolge aufrücken.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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