Teurer Radiomoderator
Limbaughs goldene Worte

Der erzkonservative US-Talker schließt einen lukrativen Vertrag über 400 Millionen Dollar ab. Der Deal gilt als zweitteuerster Abschluss der Radiogeschichte.
  • 0

DÜSSELDORF. Es wird viel gelacht in der Radioshow von Rush Limbaugh und überhaupt am Hofe des Königs des konservativen amerikanischen Talk-Radios. Denn der 57-Jährige ist ein Meister des Sinnverdrehens, des pointierten Mundraubs, der mokanten Einflüsterung. Bei ihm gilt alles, nur das gesprochene Wort nicht.

Drei Stunden am Tag, fünfmal in der Woche sprüht Limbaugh zur Erbauung von 20 Millionen Hörern im ganzen Land Gift gegen liberale Verschwörer, Defätisten, Kriegsverweigerer, Hochverräter. Seine Anhängerschaft übermittelt ihm ihre Bewunderung in Anrufen, die manchmal an Kneipentratsch, manchmal an Kriegsrat erinnern.

Seine verbalen Attacken lässt Limbaugh sich seit Jahren vergolden. Jetzt, nach fast 20 Jahren "The Rush Limbaugh Show", ist er im Olymp der bestbezahlten Radiomoderatoren angekommen.

Clear Channel, der größte Radio-Konzern der USA, sicherte sich gestern die Dienste Limbaughs für weitere acht Jahre. Wie lukrativ der Vertrag ist, verriet der Meister in einem Interview mit der "New York Times" selbst: satte 400 Millionen Dollar. Clear Channel legt damit noch einmal kräftig nach, für die vergangenen acht Jahre hatte das Unternehmen 285 Millionen Dollar an Limbaugh überwiesen.

Der Deal gehört zu den teuersten der Radiogeschichte. Nur der legendäre Howard Stern übertraf Limbaugh, als er 2004 für 500 Millionen Dollar zum Konkurrenten Sirius Satellite Radio wechselte.

"Ich werde nicht abtreten, bevor nicht jeder Amerikaner so denkt wie ich", posaunte Limbaugh, der einflussreichste Radiotalkshowmann der Rechten in den USA, daraufhin in seiner Show. Die Republikaner schätzen, die Demokraten fürchten den Mann aus Missouri und seine Sprachgewalt. Seine Giftpfeile feuertLimbaugh auch im laufenden Wahlkampf ab. Zuletzt verfolgte er den Schlagabtausch zwischen Hillary Clinton und Barack Obama mit großem Vergnügen. Dabei sah er Clinton, die "oberste Hexe der Linken", von Anfang an auf dem Scheiterhaufen.

Sein Traum, posaunte Demagoge Limbaugh via Satellit, sei, dass sich der Parteitag der Demokraten von 1968 in Chicago wiederhole. "Mit brennenden Autos, Protesten, Bränden. Das ist das Ziel." Vor 40 Jahren unterlag McCarthy gegen Vizepräsident Humphrey. Auf den Straßen Chicagos herrschte währenddessen Bürgerkrieg.

Der Schlachtplan, den der selbst ernannte Partisanengeneral seit Anfang März dieses Jahres als "Mission Chaos" über seine Radioshow verbreitet, klingt wohl wie Musik in den Ohren seiner ultrakonservativen Hörer. Limbaugh rief sie etwa dazu auf, an den Vorwahlen teilzunehmen und für Clinton zu stimmen.

Damit sollte der kräftezehrende Zweikampf mit Obama möglichst lange angeheizt werden, um die Demokraten zu zermürben. "Hillary muss diejenige sein, die Obama ausblutet. Verstehen Sie die Strategie?" fragte Limbaugh eine zugeschaltete Hörerin. Die antwortete begeistert: "Ja, wir halten Clinton im Rennen, damit sie sich gegenseitig die Augen auskratzen."

Limbaughs Zerfleischungstaktik ist nicht aufgegangen, noch nicht. Bis Anfang November hat er noch Zeit, McCain zum Präsidentenamt zu talken - obwohl der ihm zu moderat taktiert. Ansonsten wird ihm der Hohn der Demokraten gewiss sein.

Häme ist der Moralist allerdings gewöhnt. So geriet er schon einmal ins öffentliche Kreuzfeuer, als enthüllt wurde, dass er von Schmerzmitteln abhängig war und die rezeptpflichtigen Medikamente auf dem Schwarzmarkt gekauft hatte. Seine Haushälterin hatte ihn verraten. Medienprofi Limbaugh gestand vor laufender Kamera - und war nach einem Monat Entziehungskur zurück, auf Krawall gebürstet wie eh und je.

Seine Hörer im Auto und im Büro lieben ihn dafür. Seine Ehefrauen nicht. 2004 hat ihn die dritte verlassen. Man sagt, der Meister des großen, spöttischen Wortes sei ohne sein Publikum nur ein Schatten seiner selbst: missmutig, einsam und freudlos.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin

Kommentare zu " Teurer Radiomoderator: Limbaughs goldene Worte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%