Thierry Porté
Shinsei-Chef wirft das Handtuch

Der Chef des japanischen Bankhauses Shinsei tritt wegen Anlageverlusten zurück. US-Finanzinvestoren hatten den nun ausgeschiedenen Thierry Porté ausdrücklich in seine Position gehoben, um höhere Gewinne zu sehen.

TOKIO. ?Wir nehmen diese personelle Veränderung wegen enttäuschender Finanzergebnisse vor. Herr Porté bedauert es, unsere Investoren enttäuscht zu haben?, sagte sein Nachfolger Masamoto Yashiro. Der 79-Jährige verfügt über reichlich Erfahrung: Bis 2005 war er als Portés Vorgänger CEO. Der Manager jenseits des Rentenalters gilt als Übergangslösung.

Shinsei hatte erfolglos in forderungsbesicherte Wertpapier investiert und zudem der Pleitebank Lehman Brothers Geld geliehen. ?Wir müssen an unserem Risikomanagement arbeiten. Unser Institut hat Geldanlagen getätigt, die außerhalb unserer Expertise lagen?, gab Yashiro zu. Für das Halbjahr bis Ende September wies Shinsei einen Verlust von 19 Mrd. Yen aus (155 Mill. Euro) aus. Das Geschäftsjahr beginnt in Japan im April.

Neben den weitgehend entwerteten Geldanlagen in Europa fanden sich auch die berüchtigten US-Wertpapiere auf Basis verbriefter Hypothekenkredite mit geringer Bonität in den Büchern der Bank. Für das Gesamtjahr erwartet Shinsei aber immer noch einen Gewinn von 12 Mrd. Yen. Die Bank warnte zwar, die weitere Entwicklung lasse sich noch schwer abschätzen. Yashiro setzt jedoch auf einen positiven Beitrag des frisch von GE Consumer Finance zugekauften Japangeschäfts mit Privatkrediten. In den Tokioter U-Bahnen wirbt die Bank bereits mit Verbraucherkrediten ohne Frage nach dem Verwendungszweck. Sie sollen mehrere Tage lang zinsfrei sein.

Shinsei gehört zum Teil dem US-Finanzinvestor JC Flowers und steht unter Druck, mehr Rendite auszuweisen als die Konkurrenz. Mit den Auswirkungen einer Finanzkrise müsste Shinsei jedoch eigentlich Erfahrung haben. Als Long Term Credit Bank of Japan nach dem Krieg gegründet, war das Institut 1998 zusammengebrochen: Nach acht Jahren der japanischen Bilanzkrise war das Kapital aufgezehrt, weil zu viele Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr bezahlten. Dennoch gilt Shinsei als Beispiel für den positiven Wandel einer Organisation. Die Bank gilt als eine der transparentesten Finanzinstitutionen des Landes.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%