Thilo von Selchow
Chipentwickler ZMD hat Großes vor

Der Chef des Chipentwicklers ZMD stößt in den Weltmarkt vor. Thilo von Selchow produziert Halbleitern für die Autoindustrie, seine Chips stecken in fast jedem deutschen Auto. 2011 will ZMD 25 neue Produkte herausbringen.
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DresdenThilo von Selchow saß im Flugzeug in die USA, als ihn seine IT-Kollegen gestern Abend in Dresden feierten. Vom High-Tech-Netzwerk Silicon Saxony, einem Zusammenschluss von knapp 300 Unternehmen der sächsischen Halbleiterbranche, bekam der Chef des Chipentwicklers ZMD die Ehrenmitgliedschaft verliehen. „Thilo von Selchow ist ein besonders engagierter Mitbegründer und Mitstreiter“, sagte Silicon-Saxony-Vorstand Heinz Martin Esser zur Begründung. „Mit seiner Hilfe wurden die ersten Aktivitäten in Richtung Europa initiiert.“

Von Selchow brachte das Netzwerk 2001 mit auf den Weg. Der gebürtige Essener war gerade erst zwei Jahre in Dresden – als Chef des früheren DDR-Betriebs Zentrum für Mikroelektronik, der vor 50 Jahren als Teil des Robotron-Kombinats in Dresden gegründet worden war. In den 1980er-Jahren galt der Halbleiterhersteller als Herzstück der DDR-Mikroelektronik-Forschung. Und heute gilt ZMD als Keimzelle für den High-Tech-Standort Dresden.

ZMD hat inzwischen für viele andere Unternehmen in der Region eine Vorbildfunktion: beharrlich seine Nischen suchen und auf den Weltmarkt vorstoßen. Punkten kann die Chipfirma vor allem mit dem Thema Energieeffizienz – mit Halbleitern für die Autoindustrie. Von ZMD entwickelte Chips stecken in fast allen deutschen Fahrzeugen, zunehmend kaufen aber auch ausländische Konzerne wie GM, Honda und Hyundai in Dresden ein. Etwa für elektromechanische Lenksysteme, die Benzin sparen. „Strom- und Energiefresser sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt der 48-Jährige.

Er selbst hat bei ZMD die Dienstwagen abgeschafft und nur einen Audi A8 – von den Mitarbeitern spöttisch Staatskarosse genannt – im Fuhrpark gelassen. Privat fährt er einen Kleinwagen, der gerade mal 3,3 Liter Sprit verbraucht.

Im Jubiläumsjahr hat von Selchow, der am Wochenende immer noch zu Frau und vier Kindern nach Düsseldorf pendelt, Großes vor. 25 neue Produkte will er 2011 auf den Markt bringen, so viele wie nie zuvor. Eine Herausforderung, denn die Zahl soll Standard werden. Dazu investiert ZMD seit Jahren viel Geld. 30 Prozent des Umsatzes von zuletzt 55 Millionen Euro fließen in die Entwicklung neuer Produkte. Fast die Hälfte der rund 280 Mitarbeiter sind Ingenieure.

Um diese Investitionen sicherzustellen, hat sich von Selchow 2007 entschlossen, die eigene Produktion zu verkaufen und sich auf die Chipentwicklung zu konzentrieren. Eine mutige, aber wohl richtige Entscheidung: Zwar gab es 2009 im Zuge der Finanzkrise einen Rückschlag und ZMD verbuchte ein Minus. Für 2010 weist das Unternehmen aber wieder einen Gewinn aus. Der Umsatz soll künftig jährlich zwischen zehn und 15 Prozent steigen.

Auch persönlich hat sich von Selchow viel vorgenommen: weniger zu reisen, zum Beispiel. Die Senator-Vielflieger-Karte habe man ihm schon 2010 aberkannt: „Ich bin auf dem Weg der Besserung.“


Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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