Thomas Althoff
Hotelier mit Ambitionen

Einst wurde er belächelt für seine Idee, heute leitet der Hotelier Thomas Althoff einige der erfolgreichsten deutschen Luxushotels - und beweist damit, dass deutsche Luxushotels gefragt sind.
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Bergisch GladbachEr könnte Entenleberfondant nehmen, getrüffeltes Linsensüppchen oder Taubenbrust im Lorbeersud. Doch Thomas Althoff bestellt ein schlichtes Sandwich, dazu Pommes und Cola. Immerhin: Der Ketchup wird im Porzellanschälchen serviert, und das Eis für die Cola kommt in einem Extraglas mit silbernem Schäufelchen. Jeden Tag Sterneküche, das wäre selbst ihm zu viel, sagt Althoff: „So bleibt es etwas Besonderes.“

Willkommen im Schloss Lerbach, einem der Top-Luxushotels in Deutschland, dessen Betreiber Thomas Althoff ist. Sein Erfolgsrezept: eine preisgekrönte Küche.

Mit Schloss Lerbach in Bergisch Gladbach und sechs anderen Edelherbergen wie dem Seehotel Überfahrt am Tegernsee, die insgesamt elf Michelin-Sterne und 150 Punkte im Gault-Millaut vorweisen können, beweist Althoff, dass man mit deutschen Luxushotels noch Geld verdienen kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie zuletzt die Pleite des Grandhotels Heiligendamm gezeigt hat.

Auch Althoff wurde anfangs für seine Idee belächelt. Es war Ende der 80er-Jahre, die Grandhotels galten als verstaubt. Der moderne Gast, so glaubte man, brauche keinen Wagenmeister mehr, keinen Schuhputzer und kein Silberbesteck. Althoff wollte das nicht glauben. Er ist überzeugt: „Die Menschheit hat immer danach gestrebt, bessere Qualität und besseren Service zu bekommen.“

Der heute 59-Jährige kommt aus einfachen Verhältnissen. Die Eltern hatten ein kleines Geschäft in Wuppertal. Die Linsensuppe kam ohne Trüffel aus. Wenn sie Urlaub machten, interessierte sich ihr Sohn vor allem für die Hotels. Früh wusste er auch, dass er selbstständig arbeiten wollte. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann pachtete er mit 21 Jahren sein erstes Hotel, ein einfaches Haus in Aachen. Er putzte, kellnerte und stand an der Rezeption. Nach einem Jahr schrieb er schwarze Zahlen. Später kam das Angebot der Hotelkette Best Western. Die Amerikaner suchten jemanden, der ihr Konzept in Deutschland umsetzt. Für Althoff war es die Chance, zu lernen, wie man in größeren Dimensionen denkt. Mit einem Partner baute er rund 100 Hotels auf. Dann war ihm auch diese Dimension zu klein. Best Western hat Drei- und Vier-Sterne-Hotels. Althoff wollte Luxus.

Bei einem Spaziergang im Bergischen Land entdeckte er Schloss Lerbach, ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, mit See davor und Wald dahinter. Er überredete den Besitzer, ein Mitglied der Familie Siemens, aus der Immobilie ein Hotel zu machen und es an ihn, Althoff, zu verpachten. Als Erstes stellte er den Sternekoch Dieter Müller ein. Die Gäste sollten sich ein besonders gutes Essen gönnen, über Nacht bleiben und sich entspannen. Das Konzept ging auf: Die Gäste kamen, die Kritiker staunten. 1995 wurde Althoff zum Hotelier des Jahres gekürt.

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