Thomas Bellut
Der konservative Moderator

Zeitenwende beim ZDF: Thomas Bellut übernimmt den Chefsessel und wird neuer Intendant. Der langjährige Programmdirektor muss den Sender verändern. Keine leicht Aufgabe.
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DüsseldorfBei „Weck, Worscht un Woi“, dem Mainzer Traditionsgericht, sagte Markus Schächter gestern seinen 3500 Mitarbeitern Adieu. Nach zehn Jahren verabschiedet sich der Pfälzer vom ZDF. Heute wird Thomas Bellut in das Chefzimmer im 14. Stock des Hochhauses auf dem Lerchenberg einziehen. Der Umzug ist aber nur ein kleiner, denn der Programmdirektor sitzt schon seit zehn Jahren nur ein paar Zimmer weiter.

Es werden denn wohl auch eher die kleinen Umwälzungen sein, die von Bellut als ZDF-Intendant zu erwarten sind. Der 57-Jährige, fünf Jahre jünger als Schächter, ist ein konservativer Journalist mit einer Vorliebe, die unter TV-Redakteuren selten ist: Er schätzt Wirtschaftsreportagen.

Über Parteigrenzen hinaus genießt der Politologe, der zum Thema „DDR-Berichterstattung in den Nachrichtenmedien der Bundesrepublik Deutschland“ promovierte, den Ruf eines undogmatischen Journalisten und kreativen Managers. Ein weltläufiger TV-Haudegen ist er aber nicht. Seine Karriere führte ihn vom Studium in Münster direkt nach Mainz. Seit 1984 ist er beim ZDF.

Bellut hat ein sicheres Gespür. In schwierigen Momenten hat er bisher die richtigen Entscheidungen getroffen. Beim tragischen Unfall in der Show „Wetten, dass ...?“ in Düsseldorf beschloss er blitzschnell, den Quotenbringer erstmals in dessen 30-jähriger Geschichte abzubrechen. Auch die Nachfolge für Thomas Gottschalk hat er gut gelöst, auch wenn der Applaus für Markus Lanz bisher ausgeblieben ist.

Bekannt wurde der Osnabrücker durch seine Sendung „Was nun, ...?“ in den 90er-Jahren. Bellut bewies in zahlreichen Talkrunden analytischen Sachverstand. Und er besitzt noch eine andere, seltene Gabe: Selbstironie. Die populäre „Heute-Show“ und die spitzzüngige Satire-Sendung „Neues aus der Anstalt“ machen sich auch über den eigenen Sender gern lustig - keine Selbstverständlichkeit im Gebührenfernsehen.

Nun aber warten größere Herausforderungen auf Bellut. Er muss das ZDF im digitalen Wettbewerb weiterentwickeln - obwohl der politische Gegenwind stärker wird. Noch in dieser Woche wird er dazu dem ZDF-Fernsehrat seine Ideen präsentieren. Und vielleicht hilft er ja auch dem Wirtschaftsgeschehen zu einem Platz in der ersten Reihe.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Setzen Sie bitte zuerst Frau Slomka ab vom Heute-Journal. Dies zickig-ironisch-sarkastische Art kann man schon lange nicht mehr ertragen.

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