Thomas Ebeling
Der Brautvater schmückt die Braut

Der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 schmückt den Fernsehkonzern für den Fall, dass die Mehrheitsaktionäre aussteigen. Sie wollen von der überraschend schnellen wirtschaftlichen Erholung des TV-Konzerns und den beflügelten Aktienkursen profitieren.
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DÜSSELDORF. Für Thomas Ebeling war die Übernahme des Chefsessels bei Pro Sieben Sat 1 die beste Entscheidung seiner beruflichen Karriere. Der zweitgrößte Fernsehkonzern Europas machte den in Bern lebenden Manager zu einem vermögenden Mann. Ebeling verkaufte vor wenigen Wochen Aktien des TV-Konzerns und strich über 4,1 Millionen Euro ein. Trotz seines jüngsten Börsengeschäfts hält er immer noch 200 000 Anteilsscheine - mehr als alle anderen Vorstände zusammen.

Die Aussichten, auch das letzte Aktienpaket zu vergolden, stehen gut. Denn die Mehrheitsaktionäre KKR und Permira wollen nächstes Jahr aussteigen. Die beiden Finanzinvestoren prüfen einen Verkauf an einen Einzelinvestor oder einen Börsengang. Sie wollen von der überraschend schnellen wirtschaftlichen Erholung des TV-Konzerns und den beflügelten Aktienkursen profitieren. Das bedeutet für Ebeling viel Arbeit. Denn der 51-Jährige muss die Braut weiter schmücken. Schon plant er den nächsten Coup, den Verkauf der Sendertöchter in Norwegen, Schweden, Dänemark, Belgien und in den Niederlanden.

Als Ebeling am 1. März 2009 das Ruder in der Unterföhringer Medienallee übernahm, rümpften viele die Nase. Manchen wäre ein erfahrener Bertelsmann-Manager vom Schlag eines Thomas Rabe oder Bernd Kundrun lieber gewesen. Ebeling, der sich einst als Produktmanager für die Zigarettenmarke "West" bei Reemtsma einen Namen gemacht hatte, war eine Notlösung. Vielleicht deshalb wurde der Thai-Boxer, der privat gerne in abgewetzten Jeans und dunkler Lederjacke unterwegs ist, anfangs von vielen unterschätzt.

Doch Ebeling hat es mittlerweile allen gezeigt. Allein in diesem Jahr soll die Sendergruppe mehr als 850 Millionen Ebitda abliefern. In den ersten drei Quartalen stiegen die Erlöse um knapp neun Prozent auf über zwei Milliarden Euro - auch dank eines deutlich besseren Werbemarktes.

Zuvor hatte der machtbewusste Ebeling dem Konzern eine Rosskur verordnet. Schließlich belaufen sich die Nettofinanzschulden auf 3,3 Milliarden Euro. Der Schuldenberg entstand, als vor drei Jahren KKR und Permira den Kaufpreis für die Senderkette SBS Pro Sieben Sat 1 aufbürdeten. Also verlegte Ebeling den Sender Sat 1 trotz Mitarbeiter-Demonstrationen von Berlin nach Unterföhring, strich jeden achten Job und verkaufte im Sommer den Nachrichtenkanal N 24.

Von welchem Ehrgeiz Ebeling beseelt ist, hatte er bereits bei Novartis bewiesen. Als CEO des globalen Pharmageschäfts hatte er in seiner siebenjährigen Amtszeit den Umsatz verdoppelt. Das wird ihm bei Pro Sieben Sat 1 nicht gelingen.

Doch der Fan von Hannover 96, dem Klub seiner Heimatstadt, weiß, dass auch Glück ein Spiel entscheiden kann. Das gilt derzeit auch im Fernsehgeschäft. Denn der Werbemarkt - diese wenig kalkulierbare Größe - brummt seit einem Jahr. Ein leichtes Spiel also für einen Profi wie Thomas Ebeling.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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