Thomas Ebeling
Frühstück mit dem Animateur

Aus der Pharmabrache ist der neue Pro-Sieben-Chef Thomas Ebeling ins Mediengeschäft gewechselt. Der kommunikative Manager gibt sich volksnah. Doch Deutschlands größte Sendergruppe durch die Krise zu führen, ist alles andere als einfach. Hohe Dividendenzahlungen, ein riesiger Schuldenberg und ein katastrophaler Werbemarkt bedrohen das Unternehmen.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Gleich zu Beginn seines ersten Arbeitstages kurz vor neun Uhr verschickt Thomas Ebeling an die 6 000 Mitarbeiter des krisengeschüttelten Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 seine Begrüßungsmail auf Deutsch und Englisch. „Pro Sieben Sat 1 und die gesamte Medienbranche stehen vor großen Herausforderungen. Nur gemeinsam werden wir diese Aufgaben erfolgreich meistern und unser Unternehmen zu neuer Stärke führen“, formuliert der neue Vorstandschef beschönigend.

Tatsächlich steht Deutschlands größte Sendergruppe mit dem Rücken zur Wand. Mit hohen Dividendenzahlungen haben die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira die europäische Sendergruppe ausgesaugt. Schulden von über dreieinhalb Milliarden Euro und ein katastrophaler Werbemarkt machen dem einstigen Wunderkind schwer zu schaffen. Heute muss Ebeling konkreter werden als an seinem ersten Arbeitstag am vergangenen Montag. Heute hat er seinen ersten großen Auftritt.Der Konzern aus dem trostlosen Münchener Medienvorort Unterföhring legt seine Jahresbilanz vor.

Noch lässt sich Ebeling zu Beginn seiner ersten Arbeitswoche seine Aufbruchstimmung nicht vermiesen. „Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgehen kann“, schreibt er in der Mitarbeitermail. Bereits seit Wochen hat sich der gelernte Psychologe auf seine schwierige Arbeit vorbereitet. Die Wirkungsweise des Fernsehgeschäfts hat er begriffen – mehr aber nicht.

Das deutsche Fernsehen kennt der Fan von Serien wie „Lost“ oder „Desperate Housewives“ bislang nur als Schweizer Zuschauer. In den vergangenen elf Jahren arbeitete er nämlich für den Basler Pharmariesen Novartis. Dort verantwortete er lange Zeit das gesamte weltweite Pharmageschäft. Das war mit einem Umsatz von zuletzt knapp 23 Milliarden Dollar eine andere Liga. Doch Novartis erwies sich zum Schluss für Ebeling als eine Sackgasse. Er brauchte eine neue Aufgabe. So kam er zum Krisen-Fernsehen nach Unterföhring.

Ebeling ist kein kalter, unnahbarer Manager. Der gebürtige Hannoveraner sucht den Kontakt mit den Mitarbeitern. Er weiß, wie wichtig die Motivation der Belegschaft ist. Deshalb hat er auch an seinem ersten Arbeitstag zehn junge Mitarbeiter – vom Spiele-Marketingmanager bis zur Wissenschaftsredakteurin – zu einem Mittagessen in die Vorstandsetage im 3. Stock eines nüchternen Verwaltungsgebäudes in der Unterföhringer Medienallee eingeladen.

„Er ist offen, fragt viel und kann zuhören“, sagt ein Teilnehmer dieser ersten Begegnung. Anschließend trifft er die Betriebsräte aus Berlin und München, macht einen Rundgang durch das Sendezentrum und durch das provisorische Gebäude für 250 Mitarbeiter von Sat 1, Pro Sieben und Kabel 1. „Ich komme aus einem Unternehmen, in dem das regelmäßige ,Breakfast with Thomas’ für die Mitarbeiter eine feste Institution war – diese Tradition des Austauschs möchte ich mit Ihnen weiterführen“, erklärt Ebeling seine Strategie.

Vertrauen und Kompetenz muss sich der Pharmamanager in den eigenen Reihen noch erarbeiten. Denn alle im Konzern wissen, Ebeling war ein Kompromiss. Denn andere hochkarätige Kandidaten wie der Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe oder der ehemalige Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun durften oder wollten den Chefsessel bei Pro Sieben Sat 1 nicht übernehmen. Auch Ebeling ist vorsichtig. Seine Familie hat er in seiner Wahlheimat Bern zurückgelassen. In der Schweizer Hauptstadt verbringt er auch seine Wochenenden. In München wohnt er noch im Hotel, bis er eine Zweitwohnung gefunden hat.

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