Thomas Enders
Gewinner und Verlierer bei EADS

Airbus-Chef Thomas Enders kann sich entspannen: Bei der Insider-Affäre kommt er offensichtlich ungeschoren davon. Sein Ex-Kollege Noël Forgeard hingegen muss mit einer Millionenstrafe rechnen.

PARIS. Aufatmen in Toulouse: Die französische Börsenaufsicht AMF will Airbus-Chef Thomas Enders einen Persilschein ausstellen. Der Berichterstatter des Sanktionsausschusses der Börsenpolizei schlägt in seinem Bericht an das Gremium vor, die Insider-Vorwürfe gegen Enders fallen zu lassen. Details des Berichts brachte die Agentur AFP gestern an die Öffentlichkeit.

Demnach ist auch Enders' Vize, Fabrice Brégier, nunmehr runter von der Liste der Beschuldigten sowie Stefan Zoller, Chef der Verteidigungssparte. Die EADS-Großaktionäre Daimler und Lagardère, die im März 2006 ihren Aktienverkauf ankündigten, sollen ebenso nicht weiter verfolgt werden. Dagegen soll der Konzern EADS 700 000 Euro Geldstrafe zahlen, weil er zu spät über die A380-Probleme informiert habe.

EADS bestätigte, den Bericht des Obmanns des Sanktionsausschusses erhalten zu haben. „EADS nimmt zur Kenntnis, dass dieser Bericht von den Schlussfolgerungen der Untersuchungsabteilung der AMF abweicht, indem er einige ihrer Vorwürfe fallen lässt“, teilte der Konzern mit. Namen wollte ein EADS-Sprecher aber nicht bestätigen.

Die Angaben sind indes so detailliert, dass es an der Echtheit keine Zweifel gibt: Großer Verlierer ist demnach Enders Ex-Kollege Noël Forgeard: Der geschasste EADS-Chef soll die Rekordstrafe von 5,45 Millionen Euro zahlen. Auch der Deutsche Andreas Sperl, Leiter des Werkes in Dresden und Ex-Airbus-Finanzchef, soll für die Nutzung von Insiderwissen 710 000 Euro berappen (siehe Kasten). Und es soll auch den aktuellen Airbus-Verkaufschef John Leahy treffen.

Bis zum Abschluss des Verfahrens werden noch Jahre vergehen. Denn wohl erst im November wird sich der Sanktionsausschuss der französischen Börsenaufsicht AMF mit dem Fall befassen. Dem Gremium steht es dabei frei, den Empfehlungen zu folgen oder nicht. Und danach können die Betroffenen gegen eine Strafe Klage erheben.

Doch schon heute ist klar: Für Airbus-Chef Thomas Enders ist das Insider-Verfahren Geschichte – und deshalb keine Karrieregefahr mehr. Denn auch das parallel laufende Ermittlungsverfahren der französischen Justiz in Sachen Insider-Vorwürfe dürfte Enders ohne Schrammen überstehen.

Zweimal schon durfte der wortgewaltige Airbus-Chef der Pariser Finanzpolizei seine Sicht der Dinge erläutern, zuletzt im Mai. Dabei scheint Enders überzeugt zu haben: Denn die Ermittler unterließen es, nach den Vernehmungen offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den hochgewachsenen Manager einzuleiten.

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