Thomas Geitner gibt Posten bei Vodafone auf
Einmal Newbury und zurück

Beim Wandel des Vodafone-Konzerns vom reinen Mobilfunker zum Komplettanbieter spielte Thomas Geitner, der erste Deutsche im Vorstand des britischen Unternehmens, eine Schlüsselrolle. Jetzt gibt er seinen Vorstandsposten auf. Zu wenig Rückendeckung von Konzernchef Arun Sarin soll den Ausschlag dafür gegeben haben.

LONDON / DÜSSELDORF. Eigentlich ist es nur ein Symbol. Thomas Geitner zelebriert das Ereignis aber wie einen Staatsakt: Er schaltet einen neuen Schriftzug auf dem Dach eines 22-stöckigen Hochhauses am Düsseldorfer Rheinufer ein: Vodafone erstrahlt dort in kräftigem Rot. Einige Dutzend Gäste applaudieren, darunter Oberbürgermeister Joachim Erwin. Sie sprechen von einem historischen Tag. Eine Blaskapelle spielt Dixieland, Hostessen reichen Glühwein und Plätzchen.

Geitner legt einen Schalter um und damit das Kapitel Mannesmann endgültig ad acta. Die Leuchtreklame des Traditionskonzerns mit dem stahlblauen Anfangsbuchstaben ist den Vodafone-Lettern gewichen, das Ende von Mannesmann besiegelt. Fast sechs Jahre ist das her. Geitner war damals Europa-Chef von Vodafone und der neue Herr im ehemaligen Mannesmann-Hochhaus.

Jetzt schließt er ein weiteres Kapitel: seine Zeit bei Vodafone. Frustriert gibt der Manager, der erste Deutsche im Vorstand des britischen Unternehmens, seinen Posten auf und setzt auch dieses Mal ein Zeichen – dafür, dass es Vodafone offenbar nicht so ernst ist mit dem Plan, sich von einem reinen Mobilfunker zu einem Anbieter von Mobilfunk- und Festnetzdiensten zu wandeln.

Erst im Frühjahr hatte Vodafone-Chef Arun Sarin dieses Ziel verkündet – auf Druck von Finanzinvestoren – und Geitner die neue Aufgabe übertragen. Der Deutsche habe aber wohl nicht den nötigen Rückhalt bekommen, um seine Pläne voranzutreiben, heißt es in Konzernkreisen. Geitner scheidet zum Jahresende aus.

Vor wenigen Monaten quittierten bereits Technik-Chef Tim Miles und Europachef Bill Morrow ihren Dienst. Anfang des Jahres drängte Sarin Vodafone-Legende Chris Gent aus dem Amt des Ehrenpräsidenten und dessen alte Mitstreiter aus der Konzernspitze.

Geitner sitzt seit sechs Jahren im Vodafone-Board. Der nüchterne Deutsche nimmt dort stets integrative Schlüsselrollen ein. Er steht im Mittelpunkt, aber selten im Rampenlicht – so hat er es gerne. Er trägt entscheidend dazu bei, dass Vodafone zu einer weltweit bekannten Marke wird. Er erwirtschaftet in dem hastig zusammengekauften Vodafone-Weltreich schneller als geplant Synergien im zentralen Einkauf von Netztechnik und Mobiltelefonen. Auch für den erfolgreichen Start der mobilen Internetdienste „Vodafone live“ zeichnet er verantwortlich. Die einfache Bedienung der Geräte und das kluge Marketing bringen Vodafone europaweit die Spitzenposition in diesem Markt. Technisches Verständnis, Bodenständigkeit, aber auch Härte sind die Eigenschaften, mit denen Geitner sich in einem Konzern mit starken Länderchefs durchsetzt.

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