Thomas Hübner
Alles Hübner, oder was?

Dreimal ist Firmenpatriarch Theo Müller schon damit gescheitert, seinen Molkereikonzern in andere Hände zu geben. Jetzt soll es der 50-jährige Thomas Hübner richten. Der ehemalige Metro-Manager kennt zwar alle Tricks der Handelsbranche. Aber reicht das, um im Reich von Müller Milch zu überleben?

STUTTGART/DÜSSELDORF. Eine Hotelbar im piekfeinen Sankt Petersburger Grand Hotel Europe. Mit einem frisch gezapften „Baltika“-Bier im schmalen Glas winkt Metros Einkaufsvorstand Frans Muller, 46, seinem Kollegen Thomas Hübner zu. Weil Hübner nicht schnell genug die Flucht gelingt, hat der gebürtige Schweizer kurz darauf zum wiederholten Mal an diesem Abend einen Kalauer über seine eidgenössischen Landsleute zu ertragen. „Ich erzähle ihn gerne auch noch einmal, ganz langsam“, witzelt Muller.

Das Lachen ist den Metro-Leuten inzwischen vergangen. Am vergangenen Mittwochabend nämlich meldete sich Hübners neuer Arbeitgeber. Und wie bereits spekuliert, ist es einer von Metros größten Lieferanten: der Molkerei-Konzern Müller-Milch aus dem bayerischen Aretsried bei Augsburg. Hübners erster Arbeitstag als geschäftsführender Gesellschafter und neuer Vorsitzender der Geschäftsführung ist der 1. Mai. „Die Preisverhandlungen werden damit für die Metro sicherlich nicht einfacher“, kommentiert ein Unternehmensberater den Wechsel.

Tatsächlich kennt Hübner seinen künftigen Großkunden seit vielen Jahren. Schon 2002 war er an die Spitze von Metro Cash & Carry berufen worden. Davor hatte er für Metros Selbstabholermärkte als Osteuropa-Chef die Expansion erfolgreich vorangetrieben. Die Tricks der Einkäufer des größten deutschen Handelskonzerns kennt Hübner aus dem Effeff.

Aber reicht das, um im bayerischen Milch-Imperium zu überleben? Schon dreimal ist ein Generationswechsel am kauzigen 68-jährigen Firmenpatriarchen Theo Müller gescheitert, der aus seiner schwäbischen Dorfmolkerei den hinter Danone zweitgrößten Milchkonzern Europas formte.

Nun also Hübner. Er hatte im Januar überraschend seinem Metro-Kollegen Frans Muller an der Spitze der Cash & Carry-Märkte Platz gemacht. Für den Rückzug bei der größten und profitabelsten Unternehmenstochter gab der 50-Jährige „gesundheitliche Gründe“ an. Aber wenige Tage später sah man den Zwei-Meter-Mann munter auf dem Wirtschaftsforum in Davos – Seite an Seite mit Frans Muller. Hübner habe sich mit dem neuen Metro-Konzernchef Eckhard Cordes nicht verstanden, lauten Gerüchte. Auf Fragen nach seiner Zukunft antwortete Hübner noch Ende Januar in Davos, er wolle erst einmal gar nichts tun. Der Spross einer Schweizer Hoteliersfamilie gilt als vermögend.

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