Thomas Limberger
Oerlikon-Chef übt sich in Bescheidenheit

Seit dem Swissair-Debakel vor bald fünf Jahren streiten die Eidgenossen über Managerlöhne. Vorläufiger Höhepunkt der Debatte war die Diskussion um die Bezahlung von Thomas Limberger. Der deutsche Chef des Schweizer Industriekonzerns Oerlikon hat daraus Konsequenzen gezogen.

ZÜRICH. Der deutsche Chef des Schweizer Industriekonzerns Oerlikon, Thomas Limberger, hat sich mit dem Verwaltungsrat, dem er ebenfalls angehört, darauf verständigt, dass er nicht Optionen, sondern Aktien als Bonus zu seinem Gehalt erhält.

Weiterhin unverändert bleibt danach sein Grundgehalt von rund 1,2 Mill. Euro in bar. Zudem bezog Limberger, der den Konzern seit knapp zwei Jahren führt und erfolgreich umstrukturiert hat, 5 000 Aktien. Er sollte darüber hinaus 40 000 Optionen erhalten, die in drei Jahren zuteilungsreif gewesen wären und – eine solide Entwicklung des Unternehmens vorausgesetzt – einen zweistelligen Millionenwert gehabt hätten. Auf sie hat er nun verzichtet und lässt sich stattdessen weitere Aktien zuteilen. Insgesamt kommt er damit auf Gesamtbezüge von umgerechnet 4,8 Mill. Euro für das vergangene Jahr.

Gemessen an deutschen Verhältnissen liegt er damit etwa in einer Gehaltsklasse wie BASF-Chef Jürgen Hambrecht und Altana-Boss Nikolaus Schweickart. Allerdings ist Oerlikon im Vergleich zu diesen Dax-Unternehmen mit seinen 20 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 1,63 Mrd. Euro deutlich kleiner. Auf der anderen Seite hat der 40jährige Limberger, der vor seiner Berufung zu Oerlikon Chef von General Electric in Deutschland gewesen war, dem Konzern durch einen harten Sanierungskurs und Zukäufe einen vielfach höheren Betriebsgewinn eingebracht, der auch in einem rasant steigenden Aktienkurs seinen Niederschlag findet. Der Präsident von Oerlikon, Georg Stumpf, hat deswegen bislang das Millionengehalt des Unternehmenschefs verteidigt. Limberger habe in den vergangenen zwei Jahren einen sehr wichtigen Beitrag zur Unternehmensentwicklung geleistet. In den USA sei eine solche Entlohnung nicht ungewöhnlich.

Die Diskussion um Limbergers Bezahlung ist der vorläufige Höhepunkt einer Debatte um Chefgehälter in der Schweiz. Seit dem Swissair-Debakel vor bald fünf Jahren streiten die Eidgenossen über Managerlöhne. Im Mittelpunkt der Diskussion hatte zuletzt Novartis-Chef Daniel Vasella gestanden, der mit geschätzten 25 Mill. Euro die Liste der Spitzenverdiener in der Schweiz anführt. Ihm folgen die Chefs und Verwaltungsratspräsidenten der Großbanken UBS und Credit Suisse, sowie Peter Brabeck, der in einer Person Chef und Verwaltungsratspräsident des Lebensmittelherstellers Nestlé ist. Während in diesen Branchen Spitzengehälter zu Standard gehören, die deutlich über dem liegen, was in Deutschland verdient wird, hielt sich die Bezahlung der Chefs von Schweizer Industrieunternehmen bislang in Grenzen. So verdient der Chef von ABB, Fred Kindle, dessen Konzern im vergangenen Jahr rund 20 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftete, im besten Fall 3,12 Mill. Euro.

Ende Oktober des vergangenen Jahres gründete ein Kleinunternehmer eine Volksinitiative, um die „Abzockerei“ zu stoppen. Als bei der Vorlage der Oerlikon-Jahreszahlen am Dienstag dieser Woche Limbergers voraussichtliches Gehalt bekannt wurde, beschlossen die Sozialdemokraten als erste Schweizer Regierungspartei diese Initiative zu unterstützen. Limberger selbst versuchte, die Diskussion nicht noch in eine deutschfeindliche Ecke driften zu lassen. Er sei gerne in der Schweiz, sagte er in einem Radio-Interview. Man müsse sich dem Umfeld anpassen. Er würde sich freuen, wenn sich andere Kollegen in diese Diskussion einklinkten und seinem Beispiel folgten.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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