Thomas Lux lässt Chartisten und Fundamentalisten auf synthetischen Märkten Handel treiben und klärt damit Rätsel auf
Der Dompteur der Finanzmärkte

Es hätte wenig gefehlt, und der laut Handelsblatt-Rangliste zweitbeste Wirtschaftsforscher Deutschlands wäre wie sein Vater Versicherungsagent geworden. Thomas Lux wuchs in einem oberfränkischen Dorf auf, aus dem vor 1968 so gut wie kein Grundschüler auf das Gymnasium wechselte. Die Schülerbeförderungsbeihilfe und ähnliche bildungspolitische Neuerungen dieser Zeit änderten das gerade rechtzeitig für den jungen Thomas, der so der erste Gymnasiast der Familie wurde.

KIEL. Heute löst der Kieler Volkswirtschaftsprofessor mit den Werkzeugen der Physik ökonomische Rätsel der Finanzmärkte und erklärt nebenbei den Physikern in deren Fachzeitschriften, wie sie geophysische Prozesse statistisch besser beschreiben können.

Wahrscheinlich ist es gerade das Fehlen jeglicher Vorprägung, das es Lux ermöglichte, Neuland zu betreten und die Grenzbereiche der Ökonomie auszuloten. Renommierte Lehrer oder Fakultäten sucht man in seinem Lebenslauf bis zur ersten Professur vergebens. Er studierte in Würzburg Volkswirtschaftslehre. Dort schrieb er auch seine Promotion – zu einer Zeit, als es an dieser Fakultät noch fast als unanständig galt, in einer internationalen Zeitschrift Forschungsbeiträge zu veröffentlichen.

Das mathematische und statistische Handwerkszeug, das er in seinem Studium nicht mitbekommen hatte, eignete sich Lux autodidaktisch an. Auf der Suche nach einem Habilitationsthema stolperte er über einen Aufsatz über „Meinungsepidemien und Finanzmärkte“ und fing Feuer.

Dieses Feuer leuchtet auch heute noch in seinen Augen, wenn er erklärt, was Finanzmärkte mit Teilchenphysik zu tun haben. Man nimmt ihm ohne weiteres ab, dass er kein Workaholic ist, sondern jemand, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Er gibt allerdings zu, dass seine Frau – auch eine Volkswirtin – das manchmal anders sieht.

Was die Elementarteilchen in der Physik, sind die einzelnen Investoren an den Finanzmärkten. Lux’ Erfolg beruht darauf, dass er die in der Ökonomie so beliebte Annahme des „repräsentativen Wirtschaftssubjekts“ kippte. Aus dem Zusammenspiel verschiedener Investorentypen kann Lux Phänomene erklären, an denen sich die traditionelle Ökonomie die Zähne ausgebissen hat.

Dazu gehören die „Fat Tails“, ein statistischer Fachausdruck für die Beobachtung, dass an den Finanzmärkten extreme Renditeausschläge sehr viel häufiger auftreten, als sie es nach dem Gesetz der großen Zahl eigentlich dürften. Das ist nicht ganz unwichtig: Denn es führt dazu, dass die üblichen Risiko-Controlling-Modelle in den Banken, die mit dem Gesetz der großen Zahl rechnen, das Risiko systematisch unterschätzen.

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