Thomas Middelhoff

Der Absturz

„Big T“ galt einst als Deutschlands einziger Topmanager. Heute fällt das Urteil im Untreueprozess gegen ihn, Middelhoff drohen mehr als drei Jahre Haft. Dabei steht noch mehr auf dem Spiel als nur seine Freiheit.
Update: 14.11.2014 - 06:38 Uhr 6 Kommentare
Thomas Middelhoff bei einem seiner zahlreichen Besuche im Gerichtssaal. Quelle: dpa

Thomas Middelhoff bei einem seiner zahlreichen Besuche im Gerichtssaal.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Nachfrage irritiert Thomas Middelhoff. Es ist Montag, das Kölner Landgericht verhandelt die Zivilklage von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Die Ex-Milliardärin will von 14 früheren Sal. Oppenheim-Bankern beziehungsweise Ex-Beratern Schadensersatz, insgesamt 1,9 Milliarden Euro. Ex-Arcandor-Chef Middelhoff wurde als Zeuge geladen, er soll dabei helfen, strittige Sachverhalte zu erklären.

Doch die Aussage des Topmanagers außer Dienst widerspricht sich an einem Punkt mit der Aussage der Klägerin. Der Richter weist ihn fast genervt darauf hin.

„Was stimmt den nun?“, fragt der Vorsitzende. „Es stimmt, was ich sage!“

Middelhoff sagt das energisch, mit Nachdruck, als würde er sich wundern, dass jemand an seinem Wort zweifeln könnte. Dabei ist es eine Situation, die Middelhoff mittlerweile geläufig sein müsste. Denn an seinen Worten und Taten sind in den vergangenen Jahren so gravierende Zweifel aufgekommen, dass Gerichtsauftritte für den Ex-Arcandor-Chef 2014 fast Alltag geworden sind: nicht nur als Zeuge bei der Zivilklage von Schickedanz und beim Strafprozess gegen frühere Manager von Sal. Oppenheim, sondern besonders als Angeklagter im Untreue-Prozess in Essen.

48 Charterflüge soll Middelhoff ungerechtfertigt auf Arcandor-Kosten abgerechnet haben. So lautet die Anklage. Hinzu kommt eine Festschrift, die Middelhoff privat in Auftrag gegeben haben soll und die ebenfalls zulasten des Arcandor-Kontos ging. Schaden: insgesamt 1,1 Millionen Euro.

Nach sechs Monaten Prozess sieht sich die Staatsanwaltschaft Essen in ihren Vorwürfen bestätigt und fordert drei Jahre und drei Monate Haft für Middelhoff. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Die Flüge seien beruflich notwendig gewesen. Seine Verteidigung plädiert auf Freispruch. Wenn am Freitag im Landgericht Essen das Urteil fällt, geht es deshalb auch nicht nur um die Freiheit von Thomas Middelhoff, sondern auch um seine Glaubwürdigkeit. Und die Frage, was stimmt und was nicht.

„Sie können natürlich auch in Depressionen verfallen“
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6 Kommentare zu "Thomas Middelhoff: Der Absturz"

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  • @ Cal Andersen
    Wenn Herr Mittendorf jegliches Unrechtsbewusstsein fehlte, warum dann die Aussetzer bei Fragen die ihn unangenehme waren?

  • Na, das wurde ja auch Zeit! Nachdem Middelhoff seinerzeit Time Warner abgezockt hat, um mit dem AOL-Deal Bertelsmann die Taschen zu füllen, war schon klar, dass das nicht die letzte seiner Wahnsinns-Geschäfte ist. Schon da musste Thomas bei der BAG gehen; amerikanische Aufsichtsbehörden waren schon auf ihn und Bertelsmann aufmerksam geworden, so dass man sich im besten Einvernehmen trennte. Schon damals sollte jedem klar gewesen sein, wessen Geistes Kind Herr Middelhoff ist. Und dafür nur 3 Jahre? Ein Witz. Vielleicht zum Schluss noch auf Bewährung. Ich habe selten einen Menschen persönlich kennengelernt, der so vor Selbstherrlichkeit, Selbstverliebtheit und Menschenverachtung geglänzt hat. Er scheint aber auch das wahrhaftige Beispiel zu sein, dass Moral, Anstand und Wertschätzung veraltete Werte aus einer anderen Zeit sind. Wie sagte Liebermann: ich kann gar nicht so viel essen, wie ich darüber kotzen könnte. Ich übrigens auch nicht.

  • H. Middelhoff, die ehemalige Kölner Privatbank, Frau Schickedanz aber auch die Vorgänger von H. Middelhoff gehörten eigentlich mit angeklagt. Nicht vergessen sei der Aufsichtsrat, der kläglich versagte. Auch dazu gehören die Vertreter der Gewerkschaften.

  • Sein Verhalten in der Öffentlichkeit ist das eines Manisch-Gestörten. Ich nehme ihm ab, dass er kein Unrechtsbewußtsein hat. Freilich mindert das nicht den irreparablen Schaden, den er bei Karstadt hinterlassen hat.

    Hätte man bloß vorher erst einmal mich gefragt, bevor man sich entschlossen hat, Arcandor so einer Person anzuvertrauen! Für meinen Ratschlag "Hände weg von diesem Kranken" hätte ich nicht mehr als eine lächerliche Mio. Euro unter Freunden berechnet.

  • Als Vorstandsvorsitzer resp. Geschäftsführer eines recht großen Unternehmens erinnert man sich kaum an Routine, wozu der Blick auf St.Moritz sicher ebenso wenig gehört wie das Verhalten persönlicher Bekannter.

    So liegt die Wahrheit viel eher bei Middelhoff als bei hämischen Kommentaren in den Medien, auch weniger bei Richtern, die sich das alles ohnehin nicht vorstellen können.

    Natürlich sind derartige Spesen an der Tagesordnung, werden allerdings dann gerügt, wenn es um die Trennung oder den Konkursverwalter geht, der nicht anders kann, wenn er straffrei bleiben will.

    So wird Middelhoff das Unrechtsbewusstsein eher tatsächlich fehlen, der subjektive Tatbestand also nicht erfüllt sein, was Freispruch bedeutet.

  • Deutschlands einziger Top Manager? Ich lach mich tot!
    Über diesen Pfau haben DAX Vorstände nur den Kopf geschüttelt. [...]
    Middelhoff hätte schon vor 10 Jahren elektronische Fußfesseln tragen müssen.
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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