Thomas Olemotz
Bechtle lässt Angestellten ran

Es hatte sich abgezeichnet. Ralf Klenk (50), Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter IT-Dienstleisters Bechtle, scheidet Anfang kommenden Jahres aus. Künftig wird Thomas Olemotz, 46, bislang Finanzvorstand, den Holding-Vorstand leiten. Dieser wird um Michael Guschlbauer, 44, und Jürgen Schäfer, 50, erweitert.

FRANKFURT. Klenk sagte gestern, dass er nach 25 Jahren bei Bechtle mehr Zeit für seine privaten Vorhaben haben wolle – für soziale Projekte wie etwa die Unterstützung der Kinderklinik in Heilbronn. „Ein Unternehmen in der Dimension des heutigen Bechtle-Konzerns von null aus aufzubauen hat auch einem begeisterten Marathonläufer wie mir ständig vollen Einsatz und Konzentration abgefordert“, sagte Klenk.

Schon in den vergangenen Monaten hatte der Finanzchef das Unternehmen, die Nummer zwei der deutschen IT-Systemhäuser hinter Computacenter, immer häufiger nach außen vertreten. Klenk hatte bereits 2004, bei der Verlängerung seines Vertrages, klargestellt, dass es seine letzte Runde werde.

Dennoch markiert der Wechsel eine neue Ära. Klenk ist der Typ des Unternehmers, der seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft, und hat damit fast immer richtig gelegen. Olemotz dagegen begann seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Gießen.

„Diese Ausbildung hat ihn geprägt. Er ist ein sehr analytisch und strukturiert denkender Mensch, der klar seine Ziele verfolgt und durchsetzt“, beschreibt ihn ein Bechtle-Kenner. Damit hatte Olemotz bislang als ideale Ergänzung zu Klenk gegolten. Aber künftig wird er alleine an der Spitze stehen.

Dennoch bleibt eine Brücke zwischen Gründergeneration und angestelltem Vorstand bestehen. Zwar wird Klenk nicht in den Aufsichtsrat wechseln, doch mit Aufsichtsratschef Gerhard Schick bleibt ein Gründungsmitglied von Bechtle an Bord. „Das ist ein wichtiges Zeichen nach innen“, heißt es im Umfeld von Bechtle.

Olemotz war Vorstandsassistent bei der WestLB in Düsseldorf, Bereichsleiter Fusionen & Übernahmen bei der Deutschen Gesellschaft für Mittelstandsberatung (Tochter der Deutschen Bank) und Leiter der Unternehmensentwicklung bei der zum Quandt-Imperium gehörenden Beteiligung Delton. Bevor er im März vergangenen Jahres bei Bechtle startete, leitete er das Finanz- und Personalressort des Logistikdienstleisters Microlog Logistics in Köln.

Der große und drahtige Manager, der gerne läuft und im Sommer seinen Segelschein gemacht hat, gilt als guter Zuhörer. Auch wenn er eine neue Managergeneration bei Bechtle verkörpert, so zählt er doch zu den Verfechtern des von Klenk und Schick aufgebauten Bechtle-Systems. Das Unternehmen begegnet den mittelständischen Kunden über eine dezentrale Vertriebsorganisation auf Augenhöhe und mit entsprechendem Lokalkolorit. Mit der Strategie will das Unternehmen den Umsatz von wohl 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr auf fünf Milliarden Euro bis 2020 steigern.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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