Thomas Sattelberger
Telekoms Außenminister geht

Als eine Art Außenminister hat Personalchef Thomas Sattelberger die Telekom blendend repräsentiert. Nun feiert er seinen Abschied vom Dax-Konzern - und hinterlässt ein unvollendetes Werk.
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DüsseldorfDer Willkommensgruß seitens der Arbeitnehmervertreter für den neuen Personalchef hätte kaum unfreundlicher ausfallen können. Thomas Sattelberger ist genau eine Woche als Personalvorstand im Amt, als es im Mai 2007 zu den ersten Massenstreiks in der Geschichte der Deutschen Telekom kommt.

Jetzt, fünf Jahre später, grüßt ihn die Belegschaft wieder mit Arbeitskämpfen, diesmal zu Sattelbergers Abschied: Die Gewerkschaft Verdi verlangt für 85.000 Angestellte 6,5 Prozent mehr Lohn. Seit dem Wochenende gibt es, zunächst für die 17.000 Mitarbeiter der Firmenzentrale, einen Schlichterspruch. Danach steigen die Gehälter tatsächlich um 6,5 Prozent, wenn auch im Verlauf von zwei Jahren. Verdi reagierte erfreut, Sattelberger soll, so verlautet es aus seiner Umgebung, eher missmutig akzeptiert haben.

Wie man den bekanntesten deutschen Personalchef dieser Tage ohnehin nicht immer in bester Stimmung antrifft. In seinem Büro, in dem er an diesem sonnenreichen Aprilnachmittag die Jalousien fast vollständig zugezogen hat, stapeln sich die Umzugskartons. Heute, am 2. Mai, ist sein letzter Arbeitstag in Bonn. Sattelberger spricht rückblickend von einem „verdammt harten Job“, von einer „intensiven und breiten Aufgabe“.

Als eine Art Außenminister hat er die Telekom in den vergangenen fünf Jahren mit seinen Gedanken etwa zur Frauenförderung blendend repräsentiert. Als Innenarchitekt eines modernen Personalwesens aber bleibt sein Wirken unvollendet. Bei den Themen Servicequalität und Arbeitgeber-Image beispielsweise ist die Telekom in seiner Amtszeit vorangekommen, aber nicht so weit, dass Konzernprimus René Obermann darunter einen Haken machen könnte. Und weil ja auch die schwierigen Tarifverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind - die muss seine Nachfolgerin Marion Schick beenden - stellt sich die Frage, warum der 62-Jährige nun so jäh aus dem Telekom-Leben scheidet und seinen Vertrag nicht verlängert hat.

Aus Teilen des Aufsichtsrats ist zu hören, dass man ihn trotz seiner „unzweifelhaften Verdienste“ nicht mehr wirklich wollte, und zwar wegen seiner mitunter „ruppigen Arbeitsweise“. Zudem ist von einem Streit mit Oberaufseher Ulrich Lehner bei der Umstellung seines Vertrags auf die neuen Gehaltsregeln für die Vorstände die Rede. Lehner dementiert, Sattelberger ebenfalls und verweist mit gehörigem Nachdruck darauf, er habe doch schon vor fünf Jahren erklärt, dass er nur für eine Amtszeit zur Verfügung stünde. Um sich anschließend großen, gesellschaftlich relevanten Themen zu widmen.

Der Dialog mit der Gesellschaft, das Spiel mit der Politik - all das liegt ihm tatsächlich. In diesen Disziplinen ragte der Diplom-Betriebswirt schon während seiner früheren Stationen bei Daimler, Lufthansa und Continental aus der Welt der Human-Resources-Experten oft in vorbildlicher Weise heraus. Beschwingt von Reformeifer und Querdenkertum provozierte er immer wieder aber auch das Establishment der Wirtschaft.

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