Thomas Strerath
Die meisten Unternehmen fehlt eine durchdachte Strategie

Die werbetreibenden Unternehmen haben wenig Erfahrung und kaum Regeln für ihre Markenarbeit in sozialen Netzwerken im Internet. Thomas Strerath, Chef der Agenturgruppe Ogilvy & Mather, spricht im Interview über die Nachfrage nach Social-Media-Maßnahmen, ihre Vorteile und Risiken und die Kosten für eine gut gemachte Strategie.

DüsseldorfHandelsblatt: Halb Deutschland ist Mitglied in einem sozialen Netzwerk im Internet. Gibt es überhaupt noch Unternehmen, für die Social Media kein Thema ist?

Thomas Strerath: Es ist sicherlich für alle ein Thema. Denn Unternehmen müssen sich grundsätzlich dort bewegen, wo ihre Kunden sich bewegen und auch noch viel Zeit verbringen. Aber genauso sicher haben viele Unternehmen noch kein klares Bild von den Möglichkeiten der Netzwerke - und folglich auch keine Strategie für Social Media. Die Netzwerke sind ein sehr junges Phänomen. Goldene Regeln für den Umgang damit gibt es jedenfalls noch nicht - auch wenn viele selbst ernannte Experten das behaupten.

Wie groß ist die Nachfrage bei Ihren Kunden nach Social-Media-Maßnahmen?

Strerath: Da das Phänomen nicht mehr ignoriert werden kann, ist es eigentlich Teil jedes Gesprächs über Markenkommunikation. Das war vorher anders. Manchmal ging es um soziale Netzwerke als Teil von Werbekampagnen, manchmal um Pilotprojekte oder Serviceelemente. Inzwischen ist die Intensität der Nachfrage zu Social Media deutlich gestiegen. Heute beraten wir Kunden auch schon bei der Organisation interner Strukturen und Abläufe zu dem Themenkomplex.

Wo liegen die Vorteile einer Social-Media-Maßnahme, wo gibt es Risiken?

Strerath: Die Vorteile liegen eindeutig in der Echtzeit, Intensität und Authentizität der sozialen Netzwerke - paradoxerweise lauern hier aber auch die Risiken. Marks & Spencer etwa bekam in Großbritannien erhebliche Probleme, weil sich eine spontane Community gegen die Preiserhöhung von BHs der Größe Doppel D gerichtet hat und das Unternehmen öffentlich der Diskriminierung von Frauen mit großem Brustumfang beschuldigt wurde.

Wie viele Unternehmen gehen nach Ihrer Erfahrung das Thema Social Media heute tatsächlich schon strategisch an?

Strerath: Durchdachte strategische Konzepte sind noch selten, es wird aber besser. Wie früher im Zusammenhang mit ,Online' muss ja in vielen Unternehmen noch geklärt werden, in welchen Bereich Social Media eigentlich gehört. Hier sind oft noch Grabenkämpfe etwa zwischen der Marketingabteilung und der Unternehmenskommunikation an der Tagesordnung. Außerdem fehlen vielen Unternehmen eigene Standards, also eine Social-Media-Policy für die eigenen Mitarbeiter. Allerdings ist die Entwicklung so rasant, dass wir schon bald viele neue strategische Ansätze finden werden.

Es gibt Stimmen, die sagen, viele Marketingverantwortliche hätten Angst vor den Kunden und würden deshalb vor Social Media zurückschrecken. Wie sehen Sie das?

Strerath: Das ist tatsächlich so.

Was kostet denn eine gut gemachte Social-Media-Strategie?

Strerath: Die Strategie ist - zumindest bei uns - nicht der Kostenfaktor. Was Geld kostet, ist die Umsetzung: die Redaktion, der Rund-um-die-Uhr-Service, die Software. Und natürlich die notwendigen Veränderungen der Firmengrundsätze und -strukturen. Wenn man die internen Kosten einkalkuliert, wird ein umfassendes Social-Media-Engagement schnell siebenstellig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%