Thorsten Gohlke
Mr. Right

Roland Berger hat zwei rechte Hände. Eine gehört Thorsten Gohlke. Den Weg vom Assistenten in den Vorstand der Roland-Berger-Stiftung beschritt der gerade mal 30-Jährige Jurist und Betriebswirt im Eiltempo.

Vorstandsassistenten sind keine Zuckerschlecker. Sie stehen im Machtzentrum – verborgen. Und ackern. Häufig vergeht viel Zeit, ehe sie in den Genuss einer größeren Karriere kommen. Dafür allerdings ist kaum eine Ausgangsposition besser geeignet als diese. Gelernt wird im Rekordtempo: Die hoch qualifizierten Assistenten übernehmen, was ihr Chef nicht machen kann (oder will). Wer das mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld absolviert, landet auch mal eine Punktlandung. Wie Thorsten Gohlke: Der gerade 30-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der im März gegründeten Roland-Berger-Stiftung.

Mit ihr möchte Berger, Gründer und Chairman von Roland Berger Strategy Consultants, zum Schutz der Menschenwürde und der Menschenrechte weltweit beitragen. Dafür hat er unter anderem den mit einer Million Euro dotierten Roland Berger Preis für Menschenwürde ausgelobt. Er fördert Bildung, finanziert Projekte und Stipendien für begabte junge Menschen aus bildungsfernen Schichten. Gohlke ist der strategische Kopf der Stiftung.

Der Jurist und Betriebswirt wollte ursprünglich Anwalt und Wirtschaftsprüfer werden. Er verwarf es: Im Studium blieb er immer wieder bei der Investmentperspektive von Unternehmen hängen. „Ich wollte das Prinzip ,Kaufen – Wertsteigern – Verkaufen’ von innen sehen und verstehen lernen“, umschreibt er seine Begeisterung für Private Equity. Als Praktikant kam er der Sache dann näher, 2001 bei einer Münchener Privatbank, 2002 für ein paar Monate bei Pricewaterhouse-Coopers (PwC) in Straßburg und New York. Gohlkes Begeisterung hinterließ Spuren. Nach dem Studium holte ihn PwC ins European Private Equity Team nach Frankfurt. Sein erstes eigenes Projekt: die Beratung einer am Boden liegenden Softwarefirma. „Ein Manager hatte sich in den Kopf gesetzt, die Firma zu retten und wieder profitabel zu machen“, sagt er. Geld in die Vision eines Mannes zu investieren, dem man ein Stück weit einfach vertrauen muss, war Risiko pur. Doch die Sache ging auf. „Man erkennt das Unternehmen heute kaum wieder.“

Das klingt, als wundere sich Thorsten Gohlke selbst über den damaligen Coup. Dabei liegt ihm kaum etwas mehr, als Risiken zu bewerten. „Man muss dafür harte und weiche Komponenten zusammenbringen“, sagt er. Neben Fakten brauche es „vor allem Bauchgefühl und Vertrauen in die Schlüsselpersonen einer solchen Transaktion“. Letztlich investiere man in Köpfe. Genau dafür hat er ein ausgeprägtes Gespür.

Nur ein gutes Jahr nach dem Start in Frankfurt sprach ein Headhunter Thorsten Gohlke an. Der folgte der Einladung zum Assessment-Center. In der Ziehung: die Position des Executive Assistant von Roland Berger. Als er sich gegen neun Mitbewerber durchsetzte, wagte er den Sprung. Auch wenn der Job mit Private Equity nicht viel zu tun hatte. Sie hatte anderes in petto: Fortan unterstand er Roland Berger im geschäftlichen Alltag, der voll war von Reden, Präsentationen, Mandaten, diplomatischen Aufgaben, Sonderprojekten. „Irgendwann landeten auch Fragen zu seiner privaten Vermögensverwaltung auf meinem Tisch“, erzählt Gohlke. Roland Berger brachte ihm immer mehr Vertrauen entgegen. „Bald ließ er mich sein gesamtes Vermögen verwalten.“

Eine passable Chance. So etwas wusste Thorsten Gohlke schon als Schüler zu nutzen. Damals leitete er mit einem Freund zweieinhalb Jahre die Caféteria seines Gymnasiums. Sie koordinierten ein Team von 40 Mann in fünf Tagesschichten, um die 1 500 Schüler in den Pausen satt zu kriegen. Während Gohlkes Kumpel die frisch geschmierten Brötchen pünktlich an die richtigen Stellen beorderte, machte er selbst den Kassenwart: führte Statistiken, organisierte Umfragen zum Angebot, regelte die Preise. Schule? Nebensache. „Ich lebte eigentlich nur für die Caféteria.“

So viel Verve hat er bis heute. Als er von Bergers Stiftungsplänen hörte, bekundete er Interesse. Sein Chef stimmte zu. „Es fasziniert mich, Dinge aufzubauen“, sagt Gohlke. Nicht zuletzt sind hier 50 Millionen Euro Kapital stiftungsrechtlich zu verwalten. Gohlke half bei der Entwicklung der Grundidee, dem Aufbau der Infrastruktur, der Satzung und der Dotierung der Stiftung. „Inzwischen sind wir ein Team von fünf Mitarbeitern, drei davon managen hauptamtlich die Bildungsförderung der Stiftung, für die wir auch ein zweites Vorstandsmitglied ins Boot geholt haben.“

Roland Berger bescheinigt Gohlke „Fleiß, einen hellen Kopf, gute kommunikative Fähigkeiten und persönliche Loyalität“. Der Gepriesene ist dankbar. „Schließlich bin ich mit der Vermögensverwaltung für sehr persönliche Dinge in seinem Leben zuständig.“ Er sucht dabei nicht ständig die Rückkopplung mit Berger. Seine Selbstständigkeit ist wohl einer der entscheidenden Vorteile – bis zur nächsten Weggabelung. Nach oben.

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