Management
Thumanns sanfte Tour

Kurz bevor der Ernstfall beginnt, wird Jürgen Thumanns Antlitz noch einmal TV-tauglich gewienert. Neben ihm wird auch Günter Verheugens Stirn getupft. Gegenüber zupfen Edmund Stoiber und Michael Sommer an ihren Krawatten. Letzte Mikrofonprobe: „Wie viele Pferde haben Sie, Herr Thumann?“ fragt Gastgeberin Maybrit Illner. „Zu viele“, sagt Thumann und plaudert von Oldenburgern, Hannoveranern und Arabern. Es ist 22.10 Uhr. Gleich geht es los: „Berlin Mitte“.

Fünf auf dem Podium, 2,5 Millionen vor den Schirmen daheim: Wer das Land mitregieren will, der muss hierher. Für Thumann, den neuen Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie, liegt die Betonung auf „muss“. Das alldonnerstägliche Getalke, Getöne und Gekeife auf den orangefarbenen Sesseln im Innenhof von Unter den Linden 36 bis 38 liegt ihm eigentlich nicht.

Aber für sein neues Amt ist der öffentliche Auftritt das wichtigste Forum, um gehört zu werden. Auch wenn der Tag des BDI-Chefs mit einem Aufbau-Ost-Kongress begann, zu dem immerhin drei Bundesminister und der Bundestagspräsident aufliefen. Auch wenn er diese Woche mit Bundespräsident Horst Köhler Japan besucht. Weil Politik in den Medien gemacht wird, nimmt Thumann tapfer Platz neben talkshowerprobten Altstars wie EU-Industrie-Kommissar Verheugen, Beinahe-Kanzler Stoiber und Obergewerkschafter Sommer vom DGB.

Am Sonntag ist Thumann 100 Tage im Amt. Selten hat jemand in einem solch eminenten öffentlichen Amt so schnell gepunktet, wenn ihn seine Biografie darauf eigentlich kaum vorbereitet hat. Wer flüsterte SPD-Kanzler und CDU-CSU-Opposition per Talkshow eine Senkung der Unternehmensteuersätze ein? Thumann. In der Hauptstadt ist Thumann, der aus seiner Firma H&T Group in Marsberg bei Kassel den Weltmarktführer bei Batteriehülsen schuf, der Newcomer des Jahres.

Ein bisschen unerwartet kommt das schon. Selbst innerhalb des BDI gab es Befürchtungen, Thumann wäre dem Job als BDI-Chef nicht gewachsen: „Viele hielten ihn für zu leise und zu nett, für ungeeignet, sich im Diskurs mit den Alphatieren durchzusetzen“, sagt ein BDI-Mann.

So ist Thumanns Anfangserfolg auch weiser Voraussicht geschuldet. Schon vor seinem Amtsantritt begann der scheue Mittelständler aus dem Westfälischen mit einer Medienschulung. Die bekam schon der extrovertierte Thumann-Vorgänger Michael Rogowski, weil mit Illner, Christiansen & Co. die Medienlandschaft immer wichtiger wurde für die Politik – erst recht für die einflussreichste Unternehmerorganisation Deutschlands mit über 100 000 Firmen. Thumann erschrak fast, als er lernte, dass nach den Regeln der Mediendemokratie, „überspitzt gesagt, wichtiger ist, wie ich auftrete, und weniger, was ich sage“.

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