Thyssen-Krupp
Ekkehard Schulz wirbt für seinen Lieblingsberuf

Mit nunmehr 69 Jahren hält der begeisterte Ingenieur seinen eigenen Beruf immer noch für den spannendsten. Doch auch er macht Fehler - wie die unausgewogene Spartengewichtung im eigenen Konzern. Das soll nun sein Nachfolger wieder richten.
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BERLIN. Im Lichthof der Technischen Universität Berlin ist Ekkehard Schulz ganz in seinem Element. Umgeben von Forschern und Technikern und im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff kann der Chef von Thyssen-Krupp seiner Begeisterung für das deutsche Ingenieurwesen freien Lauf lassen. "Das ist der spannendste Beruf, den ich mit vorstellen kann", sagt Schulz. Er könne das beurteilen, schließlich habe er in seiner Karriere viele Berufe kennen gelernt. Am Anfang waren es in der Forschung Ingenieure, dann kamen beim Marsch Richtung Konzernspitze Kaufleute und Juristen hinzu.

Und obwohl sich der 69-Jährige als Chef des größten Stahlproduzenten Deutschlands heute mehr um Strategie und Finanzfragen kümmern muss, im Herzen ist er Ingenieur geblieben. Jetzt will Schulz andere für den Beruf begeistern. Zum Ende seiner Karriere hat der Absolvent der TU Clausthal daher eine Brücke zum Anfang seiner Karriere geschlagen. Mit seinem gestern in Berlin vorgestellten Buch "55 Gründe, Ingenieur zu werden" bricht er mit unerwarteter Leidenschaft eine Lanze für den Beruf.

Statt schnöder Techniker seien sie Popstars und Menschen, die bei Mächtigen hohes Ansehen genießen, schreibt Schulz, der im Jahr 1971 seinen Doktor in Eisenhüttenwesen an der TU Clausthal gemacht hat. Doch auch Ingenieure sind vor Fehlern nicht gefeit, selbst ein Thyssen-Krupp-Chef nicht. Schulz? Begeisterung für den Werkstoff Stahl ließ ihn in den vergangenen Jahren rund zehn Mrd. Euro in den Ausbau der Stahlsparten investieren, andere Bereiche wie das Geschäft mit Aufzügen hielt der Ruhrkonzern hingegen kurz. Thyssen-Krupp geriet ins Ungleichgewicht, wie sich in der Wirtschaftskrise zeigte. Die Verluste beim Stahl konnten andere Bereiche nicht auffangen.

Das soll nun ein anderer Ingenieur wieder geradebiegen. Schulz? designierter Nachfolger Heinrich Hiesinger unternimmt schon vor seinem ersten Arbeitstag bei Thyssen-Krupp am 1. Oktober eine ausgedehnte Tour durch den Konzern. Damit ist der frühere Siemens-Manager bestens präpariert, wenn er am 24. Januar 2011 den Vorstandsvorsitz von Schulz übernimmt. Absehbar ist, dass Hiesinger die Investitionsströme umlenken wird. Stahl bleibt zwar Kerngeschäft, aber andere Sparten wie Aufzüge sollen gestärkt werden. Auch wenn Hiesinger noch warten muss, bevor er den Platz von Schulz einnimmt, Konflikte zwischen beiden wird es wohl nicht geben. Schließlich sind ja beide Ingenieure.

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