Thyssen-Krupp-Patriarch Beitz
99 – und kein bisschen leise

Seit 59 Jahren prägt Berthold Beitz mit Thyssen-Krupp einen der prominentesten Industriekonzerne der Republik. Heute ist der erfahrene Wirtschaftsmann 99 Jahre alt geworden. Und erneut muss er eine Konzernkrise meistern.
  • 6

Frankfurt/Düsseldorf„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, hat einst Udo Jürgens gesungen. Und es mag viel Wahres dran sein, an dem Schlagertext. Doch was ist 33 Jahre später?

Berthold Beitz ist heute 99 Jahre alt geworden - 59 davon verbrachte er bislang im Dienste von Krupp. Anlass genug, die Erfolge, den Mut und die Zivilcourage dieses außergewöhnlichen Mannes zu würdigen. Beitz selbst jedoch sträubt sich gegen verklärende Blicke in die Vergangenheit, redet nicht gern darüber, dass er während der Nazi-Diktatur in Galizien Tausende von Juden vor dem Tod bewahrte. Oder darüber, dass er in den 1970er-Jahren als Generalbevollmächtigter den Konzern rettete, indem er den Staat Iran in den Aktionärskreis holte.

Der Blick muss sich nach vorn richten - das gebietet seine Rolle. Der Jubilar ist Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der 25,3 Prozent an Thyssen-Krupp gehören, somit einer der mächtigsten Manager in der deutschen Wirtschaft. Und Thyssen-Krupp ist eines der kränksten Unternehmen im Dax.

Keine Frage: Der Ankerinvestor, die Stiftung, ist gefordert - und mit ihr Berthold Beitz, der Verwalter des Krupp-Erbes. Dieses zu schützen, das hatte er dem letzten Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, einst versprochen.

Beitz hat dieser Aufgabe sein Leben gewidmet. Wie ernst er sie nimmt, zeigte sich im vergangenen Dezember, als er den langjährigen Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz aus seinem engsten Kreis verstieß. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn persönlich sehr schätze, dass ich mich aber vor allem Alfried Krupp verpflichtet fühle“, sagte Beitz damals.

Offiziell wollte er damit lediglich der öffentlichen Kritik an der Konzernführung wegen des Desasters in Brasilien ein Ende setzen. Doch die eigentliche Ursache wiegt schwerer: Beitz sah sich von Schulz wegen der Kostenexplosion beim Bau des neuen Stahlwerks getäuscht.

Kommentare zu " Thyssen-Krupp-Patriarch Beitz: 99 – und kein bisschen leise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Berthold Beitz ist zu bewundern, hätte nur mein Vater damals auf seine weisen Ratschläge gehört, manches wäre dann sicherlich auch für mich, anders gekommen!

  • Soweit ich mich erinnere, steht in Beitz' Biografie, dass er von vorne herein gegen das Abenteuer "Stahlwerk im Nirwana" Südamerikas war. Er hatte Recht, wollte aber wohl nicht brachial werden. Die Ober-Pfeife Schulz hätte nach seinen ersten Goofy-Leistungen flugs an die Luft gesetzt gehört, bevor diese Person-gewordene Unfähigkeit den grossen Schaden hätte anrichten können . Schulz hat alles versaubeutelt.

  • Die Ueberschrift "99 Jahre - und kein bisschen leise" mag Ihnen sehr originell vorkommen. Ich muss Sie aber warnen: Der Journalist Uwe Kopf hat schon vor mehr als 15 Jahren im Rahmen seines (ergebnislosen) Kampfes gegen die Floskel geschrieben: "Wenn noch einmal ein Redakteur schreibt, jemand sei so und so alt und kein bisschen leise, dann toete ich den Redakteur". Fuerchten Sie Kopf!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%