Tilo Berlin
Chef der Alpe Adria gibt auf

Tilo Berlin räumt den Chefsessel bei der wichtigsten Auslandstochter der BayernLB. Offenbar hatte es zuletzt unterschiedliche Einschätzungen über die zukünftige Strategie in Osteuropa und auf dem Balkan gegeben.

FRANKFURT/WIEN. Bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) wirft Vorstandsvorsitzender Tilo Berlin das Handtuch. Nach Informationen aus Wiener Finanzkreisen hat Berlin gestern sein Rücktrittsgesuch zur nächsten Hauptversammlung im April eingereicht, das die Aufsichtsgremien der Bayerischen Landesbank (BayernLB) informell schon akzeptierten. Weder HGAA noch BayernLB wollten sich zu der Personalie äußern.

Den Kreisen zufolge hatte es zuletzt unterschiedliche Einschätzungen über die zukünftige Strategie in Osteuropa und auf dem Balkan gegeben. Weil der Vorstand der BayernLB offenbar auch im Verkauf der HGAA eine Option gesehen hatte, entschied sich Berlin zum Rückzug. Ein Käufer sei angesichts der Finanzkrise und der wirtschaftlichen Situation in den Kernmärkten der HGAA nicht in Sicht gewesen, hieß es weiter.

Damit hat die Verbindung zwischen Berlin und der HGAA nur zwei Jahre gedauert - im Frühjahr 2007 hatte der gebürtige Hannoveraner mit österreichischem Pass die Führung der Klagenfurter Bank übernommen. Berlin hatte sich zuvor nach einer klassischen Bankkarriere selbstständig gemacht und sich mit seiner Vermögensbeteiligungsgesellschaft an der Hypo Group beteiligt. Kurz danach stieg die BayernLB als Mehrheitsgesellschafterin ein und machte den heute 50-Jährigen zum neuen Chef des Unternehmens. Der Deutsch-Österreicher hatte einen besonders engen Draht zu Werner Schmidt, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der BayernLB. Doch seit einem Jahr sitzt mit Michael Kemmer ein anderer Chef bei der BayernLB - und die Drähte von Tilo Berlin nach München sind längst nicht mehr so eng. Auch soll es zu Reibereien zwischen Berlin und Finanzvorstand Stefan Ermisch gekommen sein, der das interne Fitnessprogramm "Herkules" vorantreibt.

Längst ist die HGAA ein Sorgenkind der Bayern geworden. 2008 hat die Landesbank-Tochter wahrscheinlich mit einem Verlust von 500 Mio. Euro abgeschlossen. Schlecht laufen die Geschäfte auf dem Balkan, wo sich die Rezession immer stärker bemerkbar macht. Kurz vor Weihnachten musste die Mutterbank der Kärtner Tochter bereits mit einer kräftigen Kapitalspritze aushelfen. Außerdem nahm die Hypo Group 900 Mio. Euro vom österreichischen Staat zur Stärkung der Eigenkapitalbasis auf.

Berlins Stärken liegen nach Ansicht von Beobachtern in der privaten Vermögensverwaltung bei der Betreuung wohlhabender Anleger, nicht aber im klassischen Bankgeschäft.

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