Tilo Berlin
Der Bauer vom Wörthersee

Tilo Berlin ist Bauer und Banker: In seiner Freizeit züchtet der 48-Jährige Hochlandrinder, abseits der Weide ist er erfolgreicher Geschäftsmann. Vor kurzem kaufte der Hannoveraner die österreichische Hypo Group Alpe Adria, die fünftgrößte Bankengruppe des Landes – und machte sich selbst zum Chef.

KLAGENFURT. Tilo Berlin hatte aus gegebenem Anlass sein zünftiges Tweedjackett angezogen. Es geht um den Verkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria. Das ist eine Bank aus Kärnten, die es in den vergangenen zehn Jahren vor allem durch ihr Engagement in Südosteuropa zur fünftgrößten Bankengruppe des Landes gebracht hat. Weil sie zwischendurch im Überschwang Verluste produzierte, die sie weder überschaute noch ordentlich verbuchte und darüber der Börsengang bis auf Weiteres geplatzt war, suchte sie nun nach einem Investor. Den Verkaufsprozess betreute ein Investmentbanker der altehrwürdigen britischen Großbank HSBC.

An der Tür klopften die üblichen Verdächtigen: Corsair, Cerberus, Flowers. Jene Finanzinvestoren, mit denen es Investmentbanker vom Schlage des vornehmen Londoners laufend zu tun haben. Man kennt sich, man schätzt sich. Aber wer bitte ist dieser Mann im karierten Tweedjackett und den wilden Locken? „Ich bin ein Bauer vom Wörthersee“, sagt Thilo Berlin.

Falsch ist das nicht. Der 48-Jährige züchtet nur einen Steinwurf entfernt von der Klagenfurter Bankzentrale Hochlandrinder. Der Hobbylandwirt hat allerdings in den vergangenen Wochen auch das Geld seiner Kunden um Hunderte von Millionen vermehrt, ist selbst auf einem Vorstandsposten gelandet und hat gemeinsam mit der Bayerischen Landesbank den größten Zukauf in deren Geschichte abgewickelt. Doch der Reihe nach.

Vom nüchtern eingerichteten Vorstandszimmer der Hypo-Hauptverwaltung in der vierten Etage ist ein Zipfel seiner Ländereien zu sehen. Tilo Berlin ist Bauer und Banker. Der gebürtige Hannoveraner, der in Wien aufwächst und es in Salzburg zum Juristen und Autorennfahrer bringt, wirbelt elf Jahre für die Deutsche Bank unter Alfred Herrhausen. Eine „Lichtgestalt“ nennt Berlin den ehemaligen Bankchef. Herrhausen angelt sich immer mal wieder an der Personalabteilung vorbei junge Mitarbeiter, von denen er die Wahrheit über das, was in der Bank läuft und was sich die Leute über ihn erzählen, hören will. Er protegiert sie. Berlin gehörte zum Kreis, auf den dieses Licht gefallen war. „Die da oben sind einsam“, sagt Berlin. Seine Lust dort oben mitzumischen, erhält einen Dämpfer. Aber nur einen kleinen.

Nach Herrhausens Ermordung wechselt Berlin zur Landesgirokasse nach Stuttgart und arbeitet mit an der Fusion der Girokasse zur Landesbank Baden-Württemberg. Aus dieser Zeit kennt er einige, die es sich zu kennen lohnt: Ex-WestLB-Chef Thomas Fischer beispielsweise und BayernLB-Chef Werner Schmidt. Beim Bankhaus Warburg knüpft er Kontakte zu den Wohlhabenden dieser Welt und stellt fest: Die kannst Du selbst als unabhängiger Vermögensberater noch besser betreuen. „Unternehmerisch denkende Kunden haben bei Banken, die letztlich ein Produkt von der Stange verkaufen, irgendwann ein Problem. Da kocht der Chef nicht selbst.“ Berlin macht sich im Jahr 1999 selbstständig.

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