Tilo Berlin
Deutscher rückt an die Spitze der Hypo Alpe Adria

Der deutsche Investor Tilo Berlin wird nach Handesblatt-Informationen aus Finanzkreisen neuer Chef der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria, die im vergangenen Jahr durch eine schwere Krise gegangen ist. Er ist über einen Umweg auf diesen Posten gelangt.

oli WIEN. Berlin löst Siegfried Grigg als Vorstandsvorsitzenden ab. Der Vermögensverwalter Berlin hatte erst kürzlich einen Anteil von 10 Prozent an der Klagenfurter Bank gekauft und will auf 25 Prozent aufstocken. Nach früheren Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen hat Berlin dafür rund 650 Mill. Euro eingesammelt. Weder die Bank noch die Berlin & Co, deren Vorstandsvorsitzender Tilo Berlin ist, wollten den Vorgang damals kommentieren.

Berlin & Co ist ein in Frankfurt ansässiger und in Hamburg sowie München tätiger Vermögensverwalter, der sich wie der heute zur Schweizer Großbank UBS gehörende Sauerborn Trust auf die Betreuung sehr wohlhabender Familien spezialisiert hat. Zu seinen Kunden gehören Unternehmerfamilien aus dem deutschsprachigen Raum. Die Gesellschaft mit ihrem Hauptsitz in Frankfurt hat Tochtergesellschaften in Österreich. Berlin selber hat in Kärnten, dem Standort der Hypo-Gruppe, einen landwirtschaftlich genutzten Bauernhof.

Der Vermögensverwalter war früher Vorstandsmitglied der Landesbank Baden-Württemberg, die früher an Kooperationen mit österreichischen Landesbanken interessiert war. Aus dieser Zeit dürfte Berlin den Verwaltungsratspräsidenten der Hypo-Gruppe, Wolfgang Kulterer, kennen. Berlin wird unterstützt vom Finanzinvestor Kingsbridge, der beispielsweise bei Märklin als Sanierer aufgetreten ist. Hinter Kingsbridge steht die Wiener Hardt-Gruppe.

Aufstieg und Fall

Kulterer hat die Kärntener Bank, deren größter Aktionär bislang das vom Rechtspopulisten Jörg Haider regierte Land Kärnten war, innerhalb der vergangenen zehn Jahre zu einer der größten Bankengruppen Österreichs mit rund 6 000 Mitarbeitern geformt. Die Bank profitiert von ihrem Engagement in Südosteuropa. Durch ihre Tätigkeit in Ländern des ehemaligen Jugoslawiens erzielte sie in den vergangenen Jahren regelmäßig ein Gewinnwachstum von an die 30 Prozent. In diesem Jahr soll sich der Zuwachs auf etwa 25 Prozent verlangsamen. 2006 hat die Bank einen Gewinn nach Steuern von 200 Mill. Euro erzielt.

Die Bankengruppe hat allerdings in jüngster Zeit auch für einen handfesten Skandal gesorgt, als sie bei Swap-Geschäften 328 Mill. Euro verlor und anschließend versuchte, diesen Verlust in der Bilanz zu verschleiern. Als Wirtschaftsprüfer ihr Testat zurückzogen, schaltete sich im vergangenen Sommer die Finanzmarktaufsicht aus Wien ein. Kulterer, der damals noch Chef der Bankengruppe war, musste zurücktreten. Er wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats, obwohl dies laut Satzung der Bank, die spätestens 2010 an die Börse gehen will, ursprünglich nicht erlaubt war. Die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt ermittelt.

Der Millionenverlust, der das Ergebnis für 2006 belastete, hat dazu geführt, dass die Bank derzeit ihr Eigenkapital um 250 Mill. Euro verstärkt. Außerdem hat sie eine Anleihe in Höhe von zwei Mrd. Euro platziert.

Vermögensverwalter Berlin dürfte darin die Chance zum Einstieg erkannt haben. Als im Dezember die erste Tranche der Kapitalerhöhung über die Bühne ging, hat er bereits 4,5 Prozent an der Kärntner Bankengruppe erworben und sich dabei gegen US-Finanzinvestoren durchgesetzt. Auch bei der zweiten Tranche in gleicher Höhe war er Finanzkreisen zufolge dabei. Darüber hinaus soll er von dem zweitgrößten Aktionär der Bankengruppe, dem Versicherer Grazer Wechselseitige, weitere Aktien übernommen haben. Der Anteil des Landes und damit der politische Einfluss, dem die Bank ausgesetzt ist, wird voraussichtlich auf unter 45 Prozent sinken. Kommt es dann innerhalb der nächsten drei Jahre zum geplanten Börsengang, dürfte Berlin die Gelegenheit zum Ausstieg nutzen.

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