Tina Brown
Ein „Biest“ soll altersschwache „Newsweek“ retten

2008 gründet die Britin Tina Brown unter dem Dach des Internet-Moguls Barry Diller das Portal "The Daily Beast", um die neue Medienwelt zu studieren. Jetzt soll die 57-Jährige ihre Website mit dem altersschwachen US-Magazin "Newsweek" fusionieren. Für viele ein weiteres Signal für den Niedergang traditioneller Printmedien.
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NEW YORK. Mit ihrem kurzen Blondschopf sieht Tina Brown noch heute so aus, als kopiere sie Prinzessin Diana, über die sie einst eine Biografie verfasste ("The Diana Chronicles"): Darin schreibt sie über die Faszination, die Idole auf ein Massenpublikum ausüben. Die Britin mit US-Pass hat diese Faszination studiert und konsequent in eine große Medienkarriere umgemünzt. 1983 lotste sie der US-Verlag Condé Nast nach New York, um sein Magazin "Vanity Fair" aufzufrischen. Das tat Tina Brown so erfolgreich, dass der heute 57-Jährigen wilde kommerzielle Experimente zugetraut werden, etwa die Fusion des altersschwachen US-Magazins "Newsweek" mit der jungen Webseite "The Daily Beast".

Brown hat das Portal 2008 unter dem Dach des Internet-Moguls Barry Diller (Interactive Corp.) gegründet, um die neue Medienwelt zu studieren. Dass sie nun die Redaktion der "Newsweek" mit ihren 250 Journalisten übernimmt, wird in den USA als weiteres Signal für den Niedergang traditioneller Printmedien gesehen. Tina Brown hat das zu Jahresbeginn so kommentiert: "Amerikanische Zeitungen sterben vor allem deshalb, weil sie so lange so langweilig produziert wurden."

Der Britin kann man nicht vorwerfen, Langeweile zu verbreiten. Unter ihrer Regie wandelte sich das fast tote britische Society-Blatt "Tatler" in ein Hochglanzmagazin. Da war die Chefredakteurin, bürgerlicher Name Christina Hambley Brown, gerade mal 25 Jahre alt. Als sie für Condé Nast in New York Hand anlegte und Details aus dem Liebesleben im britischen Königshaus aufs Cover der "Vanity Fair" hievte, versechsfachte sich die Auflage auf 1,2 Millionen. Später wurde sie die erste Frau an der Spitze des Traditionsmagazins "New Yorker". Nicht ohne Anfeindungen: Der US-Romancier George Trow warf ihr vor, "den Hintern von Prominenten zu küssen".

Doch Tina Brown, seit 1981 verheiratet mit Sir Harold Evans, Ex-Chefredakteur der britischen "Sunday Times", scherte sich nicht drum. 1999 gründete sie das Klatschmagazin "Talk", bei dessen Launch-Party Madonna und Demi Moore unter der Freiheitsstatue posierten. Obwohl das Magazin 2002 eingestellt wurde, blieb Tina Brown die Spezialistin für hoffnungslose Fälle.

Viel zu verlieren gibt es auch bei "Newsweek" nicht. Der 92-jährige Unternehmer Sidney Harman hat das Magazin im August gekauft. Der Preis: ein Dollar.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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