Tips für Manager
In der Redefalle

Fusionen, Rationalisierung - die Zeiten sind unsicher, die Angst nimmt zu. Was Manager bei Ansprachen und Vorträgen beachten sollten, um Mitarbeiter bei der Stange zu halten. Do's und Don'ts für Reden zum Einstand, für Krisensituationen und für den Abschied.
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KÖLN. Vor wenigen Tagen tappte Allianz-Vorstand Gerhard Rupprecht in die Redefalle. Er wollte erklären, warum der größte deutsche Versicherungskonzern bis zum Ende des Jahres 2008 rund 7500 Stellen streichen muss. Eine Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter. "Das ist der schwärzeste Tag in meinem Berufsleben", sagte der Top-Manager.

Da hagelte es Buhrufe und Pfiffe im großen Saal der Kölner Allianz-Niederlassung. Die komplette Domstadt-Filiale würde dichtgemacht werden, 1300 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Die Belegschaft schäumte vor Wut. Als "völlig emotionslos und blutleer" bezeichneten die Geschassten Rupprechts Auftritt. Der, empörte sich einer der Mitarbeiter, gehe hier "mit der Brechstange" vor.

Gute Krisenkommunikation ist schwer. Rund 30 000 Reden werden Schätzungen zufolge täglich in den 500 größten deutschen Unternehmen gehalten. Doch nur wenige Chefs nutzen die Chance, das gesprochene Wort gezielt als internes Führungs- und Motivationsinstrument einzusetzen. Dabei könnten schon wenige Grundregeln helfen, schwierige Redesituationen ohne größeren Schaden über die Bühne bringen.

"Viele Manager werkeln für ihre Mitarbeiter im Verborgenen; sie führen ihre Mitarbeiter nach dem Motto: Love it or leave it", sagt Michael Behrens, Redenschreiber und Kommunikationsexperte. Ein Fehler, gerade in unsicheren Zeiten. Denn angesichts der Kündigungswellen in vielen Konzernen ist die Angst der Belegschaften groß. Bei der Hypovereinsbank, bei Siemens, DaimlerChrysler, KarstadtQuelle oder der Deutschen Telekom - überall wird Personal hin- und hergeschoben, wird saniert, gekürzt, gestrichen. Gerade in dieser Situation müssen die Manager verstärkt darauf achten, in ihren Reden den richtigen Ton zu treffen, um ihre Belegschaft trotz schwieriger Entscheidungen bei der Stange zu halten.

"Verbaler Amoklauf" nennt Patric Kutscher, Redetrainer und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Rhetorik, wenn Manager statt zu versachlichen mit unbedachten Reden noch die Emotionen schüren. In Seminaren vermittelt er Führungskräften, wie man "Erfolgsreden" hält. Wichtigste Erkenntnis: Wer die Erwartungen des Publikums außer Acht lässt, verspielt Vertrauen.

Fast immer haben die Zuhörer bereits ein konkretes Bild von dem im Kopf, was ein Redner leisten soll. Egal, ob ein Chef seine Einstands-, Abschieds- oder eine Krisenrede hält - das Publikum will sich im Gesagten wiederfinden. Es erwartet selbst von einem hartgesottenen Machertypen ein gewisses Maß an Anteilnahme und menschlicher Zuwendung.

Spiegeln Sprache und Auftreten diese Erwartung nicht wider, bugsiert sich ein Redner leicht ins Abseits. Häufigster Fehler: Anstatt die Dinge beim Namen zu nennen und damit verlässliche Leitlinien zu geben, vermeiden viele Manager bei der internen Kommunikation klare Aussagen. Sie fürchten, dass zu viel Offenheit schadet. Das Gegenteil aber ist der Fall: "Wer sich bei wichtigen Veränderungen von seinen Mitarbeitern nicht in die Karten schauen lässt, schürt nur Misstrauen und verliert an Glaubwürdigkeit", sagt Stefan Czempik, Rednercoach und Geschäftsführer der Managerberatung Contrust-Consult.

Gute Redenschreiber verwenden deshalb viel Zeit darauf, einem Managervortrag den feindseligen Unterton zu nehmen. Das hat seinen Preis: Die Arbeit an einem Manuskript mit Text für 30 Minuten Redezeit, eine für Krisenreden übliche Länge, lassen sich professionelle Redenschreiber mit mindestens 2000 Euro vergüten. Ihr Ziel, die harten Fakten so gut zu verpacken, dass "sich die Mitarbeiter nicht wie Bausteine fühlen, sondern die innere Betroffenheit des Redners spüren", sagt Thilo von Trotha, Ehrenpräsident des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache.

"Manager sind es gewohnt, nüchtern mit Zahlen zu jonglieren. Reden sie zur Belegschaft, müssen sie aber die Tonlage ändern", sagt von Trotha. In der Krise gilt diese Regel umso mehr: Ein Vorstandsvorsitzender, der Entlassungen verkünden muss, kann an der Sache vielleicht nichts ändern. An der Sprache schon.

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