Tobias Grau erhält den Deutschen Designpreis
Chaot und Perfektionist

Das lässt er sich nicht nehmen. Tobias Grau klettert auf die Leiter und bringt den Namenszug im Schaufenster persönlich an. Mit einer kurzen Handbewegung schickt er einen Mitarbeiter nach draußen in den Nieselregen, um die Position des roten Aufklebers prüfen zu lassen.

HB KÖLN. Er will bei seinem vierten Geschäft, das er vor knapp vier Wochen zur Möbelmesse IMM in den Kölner Spichernhöfen eröffnet, sicherstellen, dass alles sitzt. „Tobias Grau ist ein Perfektionist, er macht seinen Job sehr konsequent“, sagt Hadi Teherani, Architekt aus dem Büro Bothe Richter Teherani (BRT) in Hamburg, der ihn lange kennt. „Ich bin ein Chaot“, sagt Grau über sich. Dass das kein Widerspruch sein muss, bestätigen Wegbegleiter und Kollegen des Designers.

Auch seinem Erfolg steht dies nicht im Weg. Grau hat sich innerhalb von 22 Jahren von einem regionalen Ein-Mann-Betrieb in Hamburg zu einem international anerkannten Lampendesigner und -hersteller mit 100 Mitarbeitern hochgearbeitet. Am morgigen Freitag erhält der 47-Jährige den „offiziellen Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ für seine Stehlampe „Go Floor“ als einer von fünf Preisträgern. Der Preis wird vom Rat für Formgebung vergeben, dem zahlreiche Designer, Unternehmer und Verbände angehören.

„Abgesehen davon, dass Designpreise gut fürs Geschäft sind, ist dies ein ganz besonderer Preis“, sagt Grau trocken, der für seine schlichten Lampen schon häufig Ehrungen einheimste.

Wenn der zurückhaltende, fast spröde wirkende Hamburger am Freitag mit seiner Frau, die sich im Unternehmen ums Kaufmännische kümmert, zur Preisvergabe in Frankfurt auf die Bühne geht, wird er wohl ein wenig aufgeregt sein. Grau ist kein abgeklärter Business-Typ, der sich in den Mittelpunkt drängelt. Er sagt, er sei nicht der „große Chef da oben“, und zupft an seinem dunklen Cordanzug. „Trotz des Erfolgs – im Kopf sind wir eine kleine Firma“, sagt der Vater von vier Kindern. „Das heißt nicht, dass wir uns nicht dem internationalen Wettbewerb stellen. Aber diesen Spagat bekommt man nur hin, wenn man manchmal über das Geschäft schmunzelt.“

Seit er 1984 als Designer im Lampengeschäft startete, hat er sich mit seinen puristischen Entwürfen internationales Renommee erarbeitet. Er wird in einer Reihe mit dem Designer Ingo Maurer genannt. „Tobias Grau ist eine etablierte Marke in Europa“, sagt Teherani. „Er sticht mit seiner klaren Designsprache heraus aus dem Lampenangebot“, lobt Andrej Kupetz, Geschäftsführer des Rats für Formgebung.

Puristisch im Stil, experimentierfreudig im Material, hochwertig in der Ausführung. Wie etwa die Pendelleuchte „Oh“, Graus Verkaufsschlager: Viele kennen die Lampe, die an ein Ei erinnert, das am unteren Ende abgeschnitten wurde, als Tresenbeleuchtung in Restaurants.

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