Tod von Leo Kirch
Eine tragische Figur

Leo Kirch ist tot. Der Unternehmer schuf aus dem Nichts einen mächtigen Medienkonzern - und verlor am Ende fast alles. Schuld hatten in seinen Augen immer die anderen, was vor allem die Deutsche Bank zu spüren bekam.
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MünchenDer Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Im Alter von 84 Jahren starb der Gründer der Kirch-Gruppe nach langer Krankheit am Donnerstag. Über Jahrzehnte war er einer der einflussreichsten Medienmanager in Deutschland. „Unser geliebter Ehemann, Vater, Bruder, Dr. Leo Kirch, ist heute im Kreise seiner Familie friedlich verstorben. Wir sind sehr traurig“, ließ seine Familie in München mitteilen.

Kirch steht als Unternehmerpersönlichkeit in einer Reihe mit Reinhard Mohn. Beide haben quasi aus dem Nichts mächtige Medienkonzerne geschaffen. Doch während Bertelsmann als europäischer Branchenprimus brilliert und seine Witwe Liz für die Kontinuität des Familienunternehmens sorgt, verlor Kirch alles.

Seine spektakuläre Insolvenz im Frühjahr 2002 war eine der größten Pleiten der Nachkriegszeit. Außer ein paar kleinen Beteiligungen, unter denen die Constantin Medien (Sport 1, Constantin Film) noch die Größte war, blieb dem Sohn eines fränkischen Nebenerwerbswinzers aus Fahr am Main nichts. Sein Sohn Thomas, der einst mit seinem früheren Lieblingsmanager Georg Kofler im Einkaufsfernsehen engagiert war, hat sich nach unternehmerischen Fehlschlägen völlig aus der Öffentlichkeit zurück gezogen.

Kirch ist eine tragische Figur. Denn sein unrühmliches Ende als Medienunternehmer konnte er nie verwinden. Immer hatten die anderen die Schuld. Allen voran die Deutsche Bank, aber auch Axel Springer.

Noch im September 2002, bei seinem letzten großen öffentlichen Auftritt in Berlin, setzte der damalige Springer-Aufsichtsrat Leo Kirch auf einer von ihm initiierten außerordentlichen Hauptversammlung eine Sonderprüfung durch. Sie sollte klären, ob der Springer-Vorstand am Niedergang des Kirch-Imperiums beteiligt war.

Kirch, der einst 40 Prozent an dem „Bild“-Konzern besaß, wollte Schadensersatzansprüche geltend machen. Bei der Sonderprüfung ging es darum, warum der Springer-Vorstand unter Führung von Mathias Döpfner trotz der drohenden Insolvenz der Kirch-Gruppe darauf bestanden hat, seine Option auf den Verkauf von 11,5 Prozent an der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 an Kirch einzulösen.

Erst durch Döpfners Forderung nach Rückkauf des Pro-Sieben-Aktienpakets im Wert von 767 Millionen Euro sei die Kirch-Gruppe im Frühjahr 2002 in die finanzielle Schieflage geraten, die zur Insolvenz führte, klagte Kirch. Doch am Ende war der Kampf umsonst. Friede Springer kontrolliert heute mehrheitlich Europas Zeitungskonzern. Einen Schadenersatz musste weder sie noch der Springer-Vorstand leisten.

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