Tognum-Chef Volker Heuer
Schweigen wird Gold

Tognum-Chef Volker Heuer will am Montag den größten Börsengang seit Jahren platzieren - und verdient selbst kräftig daran.

STUTTGART. Volker Heuer ist ein sachlicher Mensch. Auf der Pressekonferenz in Frankfurt beantwortet er alle Fragen ruhig, ohne große Emotion. Doch dann registrieren Beobachter ein kurzes Zucken in den Mundwinkeln. "Wie viel verdienen Sie denn persönlich am Börsengang von Tognum", will ein Journalist wissen. Heuer ist die Frage sichtlich unangenehm.

"Wir betrachten die Anteile vielmehr als interessante Altersvorsorge", versucht er vergangene Woche Befürchtungen auszuräumen, das Management werde beim größten Börsengang seit der Postbank vor fünf Jahren schnell Kasse machen. Wie er die Aktien bezahlt hat, die der Finanzinvestor EQT dem Management günstig verkauft hat, lässt Heuer ebenfalls offen.

Der 54-jährige Tognum-Chef liebt keine großen Auftritte. An bohrende Fragen muss er sich aber gewöhnen, wenn der traditionsreiche Dieselmotorenfabrikant ab kommendem Montag an der Börse gehandelt wird. Dann ist es mit der Beschaulichkeit vom Bodensee bei der ehemaligen MTU Friedrichshafen vorbei.

Der schwedische Finanzinvestor EQT hat im Mai 2006 dem vierköpfigen Vorstand rund um Heuer 7,6 Prozent der Aktien zum Preis von schätzungsweise 20 Millionen Euro verkauft. Aus dieser Summe könnte durch den Börsengang ein Buchgewinn von 200 Millionen Euro werden. "3,8 Ackermann in 15 Monaten", titelte die "Financial Times Deutschland" süffisant. Sie meinte damit, dass Heuer innerhalb von 15 Monaten allein durch den Börsengang 50 Millionen Euro erhält, fast das Vierfache des Jahresgehaltes von Deutsche-Bank-Chef Ackermann.

"Im Unternehmen sind solche Summen nicht mehr vermittelbar", sagen MTU-Beschäftigte. Eingefleischte MTU-Mitarbeiter, für die es bis dato keine Frage war, dass sie Aktien ihres eigenen Unternehmens zeichnen werden, geraten langsam ins Zweifeln, ob sie damit nur ihren Vorstandschef reich machen. Aber auch bei anderen schwäbischen Mittelständlern sorgen solche Gehälter für die Führung eines Unternehmens mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz bestenfalls für Kopfschütteln.

Da passt der Skandal ins Bild. Ein Analyst fand heraus, dass im Anhang des Börsenprospekts offensichtlich falsche Zahlen standen - eine Katastrophe für die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens. Wenn es auch nur ein Versehen war und Tognum nachbessern darf, ohne den Börsenstart absagen zu müssen, so zeigt es doch, mit welch heißer Nadel alles gestrickt wurde. Der Börsengang war anfangs erst in vier Jahren geplant.

Seite 1:

Schweigen wird Gold

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%