Tognum
Einmal Daimler, immer Daimler

Große Auftritte sind seine Sache nicht: Emotionslos verkündete Tognum-Chef Volker Heuer seinen Mitarbeitern am Mittwoch die sensationelle Nachricht: Der Anbieter von Dieselmotoren hat mit Daimler-Benz einen neuen Großaktionär. Ein bisschen mehr Freude wäre durchaus angebracht - schließlich kann sich Heuer durchaus auf seine alten Konzernchefs freuen.

STUTTGART. Volker Heuer ist ein vorsichtiger Mensch. Das Gesicht verbirgt der Tognum-Chef hinter einem akkurat gestutzten Vollbart. Die Stimme klingt gleichförmig. Der Ingenieur legt bei Vorträgen - wie zuletzt auf der Bilanzpressekonferenz - wenig Wert auf Spannungsbögen. Ohne große Emotion spult er die Fakten herunter, die den Erfolg des Motorenbauers vom Bodensee belegen: "Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum um zwölf Prozent auf rund 3,2 Milliarden Euro."

Ebenso nüchtern und ohne jedes Pathos teilt Heuer in einer kurzen E-Mail am Mittwoch seinen Beschäftigten eine Hammer-Nachricht mit. "Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter, wir erhalten einen neuen Großaktionär. EQT hat ihre restlichen Anteile der Tognum AG von circa 22 Prozent an die Daimler AG verkauft."

Heuer lässt wieder einmal die Chance aus, die Beschäftigten emotional mitzunehmen. Denn er hätte stolz darauf verweisen können, dass die Arbeit des Unternehmens und seiner Beschäftigten so schlecht nicht gewesen sein kann. Denn Daimler gibt zweieinhalb Jahre nach dem Verkauf von Tognum jetzt nur für eine Sperrminorität fast 600 Millionen Euro aus. Das ist mehr als der Gewinn, der Daimler damals für den Verkauf aller Tognum-Anteile unter dem Strich übrig blieb.

Der 55-Jährige würde nie etwas sagen, dass sich als Kritik an seinem Ex-Arbeitgeber sowie alten und jetzt neuen Großaktionär auslegen lassen würde - aber er freut sich, dass "Daimler zugesichert hat, dass wir eigenständig bleiben". Heuer ist eben durch und durch von seiner Daimler-Karriere geprägt. Sein Büro zieren Mercedes-Modelle. Der in Paderborn geborene Maschinenbauer startet bei Daimler-Benz als Konstrukteur und geht ab 1980 als Abteilungsleiter für Karosseriebau nach Brasilien, später nach Argentinien.

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