Tokyo Sexwale hat es vom Kämpfer gegen die Apartheid zum führenden schwarzen Geschäftsmann am Kap geschafft: Nadelstreifen statt Tarnanzug

Tokyo Sexwale hat es vom Kämpfer gegen die Apartheid zum führenden schwarzen Geschäftsmann am Kap geschafft
Nadelstreifen statt Tarnanzug

Es dauert eine Weile, bis der hoch aufgeschossene Mann mit dem markanten Gesicht und der kraftvollen Stimme alle Geschäftsfelder aufgelistet hat, in denen er mitmischt: im Gold- und Diamantenbergbau, in der Platinförderung und der Gasexploration, im Bankgewerbe, der Gesundheitsvorsorge und sogar im Entertainment- und Immobilienmarkt.

KAPSTADT. Eine stolze Bilanz für einen, der seinen Konzern erst vor knapp fünf Jahren gegründet hat. „Ich möchte ein schwarzer Harry Oppenheimer sein“, hatte Tokyo Sexwale seine Ambitionen damals recht kühn beschrieben und auf Südafrikas wohl berühmtesten Geschäftsmann angespielt. Die Anerkennung des Bundeskanzlers jedenfalls hat er inzwischen. Am heutigen Donnerstag kommt Gerhard Schröder zu einem Mittagessen, das Sexwale und die deutsche Handelskammer in Johannesburg ausrichten.

So ungewöhnlich wie der Name von Sexwales Firma Mvelaphanda, der in der Stammessprache der Venda „Fortschritt“ bedeutet, klingt auch sein eigener Spitzname Tokyo. Ihn bekam er, weil er schon in jungen Jahren ein begeisterter Karatekämpfer war. Seine eigentlichen Vornamen Mosima Gabriel kennt in Südafrika kaum jemand.

Anders als der Werdegang seines Vorbildes Harry Oppenheimer aber, der ein halbes Jahrhundert lang dem Minenkonzern Anglo American und dessen Diamantenschwester De Beers vorstand, ist Sexwales Lebenslauf voller Brüche: Schon 1974, gleich nach Abschluss eines Wirtschaftsdiploms, geht der Sohn eines Johannesburger Krankenhausangestellten in den Untergrund, um gegen das Apartheid-Regime am Kap zu kämpfen. Wie andere schickt ihn der Afrikanische Nationalkongress (ANC), damals noch Befreiungsbewegung und in Südafrika verboten, zur militärischen Ausbildung nach Moskau. Dem Kommunismus kann er seitdem nicht viel abgewinnen.

Ende 1976, wenige Monate nach den blutigen Schülerunruhen von Soweto, kehrt Sexwale mit einer Gruppe Guerillas illegal nach Südafrika zurück. Beim Grenzübertritt kommt es zum Zwischenfall, als die schwer bewaffnete Truppe, wie vorher vereinbart, einen vorbeikommenden Lieferwagen anzuhalten versucht. Der Fahrer ist jedoch nicht der erwartete Verbindungsmann, sondern ein argwöhnischer Polizist. Auf dem Weg zur Passkontrolle schleudert Sexwale eine Handgranate ins Fahrerhaus.

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